Meine hängenden, schlaffen Brüste – 7 Tipps & Anregungen auf meinem Prüfstand

Ich und meine Brüste, das ist bisher wahrlich keine Liebesgeschichte gewesen. Die letzten Wochen hat mich das Thema wieder einmal so heimgesucht, dass ich mich manchmal schon beim Aufwachen tot gewünscht habe. Wahrscheinlich ist das schwer nachvollziehbar, aber ich wünschte mir in diesen Momenten, irgendjemandem in die Hände zu fallen, der über mich herfällt, mich zerstört und irgendwo in der Natur entsorgt, wo mein Körper endlich seinen Frieden findet. Irgendwie scheint diese Vorstellung meinem Gefühl von Wertlosigkeit und Schrottreife zu entsprechen. Und schrottreif fühle ich mich oft, wenn ich die runden Brüste anderer sehe – ob groß oder klein – in dem Wissen, dass meine eigenen leer und schlaff sind. Eine Frau zweiter Klasse, oder überhaupt noch eine Frau? Puh…

Nachdem das nun so schlimm geworden war, dass sich zu meinen Vergewaltigungs- und Gewaltfantasien noch Eifersucht gesellte, die meinen Mann terrorisierte und ich an manchen Tagen nur noch halb für die Kinder da sein konnte, weil ich eigentlich nur noch in einer Ecke liegen und heulen wollte, habe ich wieder begonnen, zu googlen und  Gedanken zu wälzen.

 

1. Resignieren kommt nicht in die Tüte.

Ein Grundtenor im Internet besagt: Brüste nach drei Kindern hängen nunmal. Das ist normal. Alle Tipps dagegen sind Scharlatanerie. Finde dich damit ab.

Ich bin aber nicht jemand, der sich mit Dingen abfindet. Ich will doch leben. Und zwar, eines schönen Tages, glücklich und zufrieden. Sonst könnte ich mich auch sofort verabschieden. Ich kann zwar jahrelang an etwas verzweifeln, aber ich höre nie auf, daran zu glauben, dass es auch besser geht, auch wenn ich gerade nicht weiß, wie.

Also verbeisse ich mich in die Suche nach Strohhalmen. Je nach Lage auch Nadeln im Heuhaufen. Gewohnheitsmäßig sind die ersten Treffer völlige Luftnummern. Für mich jedenfalls, oder hat jemand andere Erfahrungen gemacht? Die Rede ist von

2. Tipps zur Bruststraffung mittels Warm/Kaltduschen, Massagen, Cremes, Kräutern und Gymnastik

Alles Bullshit. Nein, mal ehrlich: was diese ‚wertvollen‘ Ratschläge angeht, so beschleicht mich oft das Gefühl, das hier ein Gesundheits-Texter munter vom anderen abschreibt. Warm/Kaltduschen habe ich über mehrere Jahre hinweg in den Sommermonaten praktiziert, habe die Brüste mit mal sanfteren, mal böseren Bürsten malträtiert, danach eingeölt mit Cellulite-Öl und Werweißnichtwasnochalles, mit dem Ergebnis, dass es kein Ergebnis gibt. Ha ha. Ha. Nicht.

Eher der Vergrößerung als der Straffung dienen angeblich manche Kräuter, darunter vor allem Hopfen und Rotklee. Das habe ich nicht ausprobiert, vom Hörensagen her soll das ein bisschen etwas reissen, aber erstens unerwünschte Nebeneffekte haben und zweitens schienen mir die Erfolge nur durch die Brille der eigenen Hoffnung sichtbar zu sein… Außerdem geht es mir nicht um größere Brüste – ich mag meine Körbchengröße sehr – , sondern um einen höher sitzenden, runden Busen. Ähnliches gilt für die überall herumgeisternden Muskelübungen (Liegestütze und Brustpressen), die den Brustmuskel vergrößern sollen. Ja und? Meine Brust liegt aber ein paar Zentimeter weiter unterhalb. Habe ich dann zwei Brüste übereinander? Nein, Spass beiseite inzwischen weiß ich selbst in Zeiten absoluter Verzweiflung: das ist Augenwischerei. Außer, jemand hat damit tatsächlich Erfolg gehabt, dann schreibt mir doch bitte in den Kommentaren. Ich lasse mir dieses Weltbild gerne zerstören!

 

3. Bruststraffung mit dem Messer

Es gab Zeiten, da habe ich ernsthaft darüber nachgedacht. Abgesehen davon natürlich, dass diese Option Lichtjahre außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten liegt und deswegen doch nur hypothetisch bleibt. Zwei Dinge sind es, die mich aber inzwischen abschrecken: zum einen die Angst vor Murks, vor Narbenstörungen und dergleichen. Dass es hinterher einfach noch schlimmer aussieht als zuvor und zwar irreversibel. Bei dem benötigten T-Schnitt plus Rundumschnitt um die Brustwarze bei einer Straffung stehen die Chancen für unlustige Komplikationen ziemlich gut.

Die andere Sache ist die, dass ich am eigenen Leib erfahren habe, wie taub und gefühllos die Haut rund um operierte Bereiche werden kann. Ich habe mehrere größere Narben, an denen ich zum Teil ganz taub bin. So sehr mich das Aussehen meiner Brüste stört – und ihre relative Taubheit auch, ganz und für immer gefühllos sollten sie nicht werden.

 

Die Moral von der Geschichte ist in meinem Fall:

Ich hab’s nicht so mit dem aktiven Bekämpfen meiner hängenden Brüste. 

So, wie ich, wenn es um meine Kinder geht, weiß, dass ich, wenn ich etwas erreichen will, meine Kinder unterstützen muss, damit es gut wird, anstelle sie niederzumachen und zu zwingen, so weiß ich, dass alles, was helfen soll, für meine Brüste sein muss, nicht dagegen. Ich möchte meinen Brüsten Gutes tun.

Fühlt sich einfach nicht gut an, nicht richtig. Tja, was bleibt mir dann noch? Mir ist klar:

Ich muss möchte lernen, meine Brüste von innen heraus zu spüren und nicht nur von außen zu betrachten/bewerten/verurteilen.

Und:

Ich finde mich trotzdem nicht ab mit diesem traurigen Äußeren. Ich kann einfach nicht glauben, dass das natürlich sein soll. Irgendwoher muss das kommen. Vielleicht lache ich eines Tages über diese Ansichten, aber jetzt glaube ich daran.

Unter diesem Standpunkt habe ich weiter gesucht und bin noch auf andere Quellen gestoßen, die ein bisschen mehr in die Tiefe gehen, ganzheitlicher und liebevoller sind.

 

4. Weglassen des BHs vs. passender BH rund um die Uhr 

Bra-Fitter beklagen sich ja zu Recht darüber, dass die meisten von uns Frauen einen BH in der falschen bis völlig falschen Größe tragen. So ein schlecht sitzender BH hat meistens – der mangelnden Auswahl geschuldet – zu kleine Cups, deren Bügel das Brustgewebe seitlich abschneiden und zu Fettröllchen mutieren lassen, sowie eine zu große Bandgröße, die dazu führt, dass man sich die Träger immer enger stellt, bis sie über das Rückendekoletté hinaus nach oben rutschen. Umgekehrt soll ein gut sitzender BH dann das Brustgewebe an seinen richtigen Platz zurückholen und die Brustform sichtbar verändern. Das kann ich in meinem Fall, nach circa fünf Jahren schlecht sitzenden BHs als Teenager, fünf Jahren weichen aber hässlichen Still-BHs und weiteren fünf Jahren ausgemessenen, passenden Bügel-BH’s für mich nicht bestätigen.

Interessanter wird es für mich, wenn es um das Weglassen des BHs geht. Laut Studien
konnte eine nachweisbare Straffung und Anhebung des Busens bei Frauen beobachtet werden, die konsequent auf einen BH (Bügel BH?) verzichteten. Zwar erklärte der Professor, das gelte nicht für Mütter und Übergewichtige, aber trotzdem klingt das alles für mich schlüssig – dass ein Gewebe sich an das Gestützt-Werden gewöhnt und deswegen Muskeln abbaut. Von Yoga-LehrerInnen habe ich gehört, dass es oft das Spüren und Bewusstwerden des Körpers ist, was beim Yoga zu einem strafferen Körper führt. Unter einem BH spüre ich meine Brüste nicht, dort sind sie wie inexistent, und das ist keine Basis für nichts, was sich dort tun soll…

Fehlt mir der Mut zum Hässlich-Sein?

Jetzt aber mein großes aber: Ohne BH sieht bei mir einfach alles unvorteilhaft aus. Ein Busen, der da sitzt, wo er hingehört, macht schlanker und sieht schöner aus, halbwegs runde Brüste sowieso. Ich bin ein ästhetischer, visueller Mensch; seit ich denken kann, male ich und liebe Mode, Design und Kunst – wie soll ich so meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden? Noch bin ich nicht bereit, als Hängebusen-Erleuchtete durch die Weltgeschichte zu schweben… Ich kann das einfach nicht. Mein Kompromiss – weil ich meinen Brüsten doch etwas Gutes tun möchte, und BRA-LESS fühlt sich ganz definitiv gut an – ich bleibe zuhause und jetzt im Herbst und Winter ohne BH, wenn ich nicht unter fremden Leuten meine Jacke ausziehen muss. Ich bin gespannt, was das ausmacht. Vielleicht gar nicht in erster Linie optisch, sondern von der Sensibilität her.

 

5. Affirmationen und Ursachenforschung mit Dahlke und Louise D. Hay

Oft, wenn mich Wehwehchen plagen, die ich mir nicht erklären kann, die aber zu mau sind für einen Arztbesuch, schaue ich nach, was bei Rüdiger Dahlke in „Der Körper als Spiegel der Seele“ oder bei Louise D. Hay dazu steht. Manchmal ist es ein Volltreffer, meistens ergibt es Sinn und ganz selten kann ich gar nichts damit anfangen.

Louise D. Hay schreibt in „Heile deinen Körper“ generell zu Brust:
„steht für Bemuttern, Nähren und Nahrung.“ und stellt als Affirmation daneben: „In vollendetem Gleichmaß nehme ich Nahrung auf und gebe sie wieder.“                             Weiter heißt es zu Brustproblemen: Weigerung das Selbst zu nähren. Stellt alle anderen an die erste Stelle.“ Und als Affirmation dazu: „Ich bin wichtig. Ich zähle. Ich sorge für mich und nähre mich mit Liebe und Freude.“

Manches deckt sich mit dem, was Dahlke schreibt: AUSGESAUGTE BRUST deutet dagegen auf verbrauchte Vitalenergie hin. Die Kraft scheint bereits entschwunden zu sein. Langes Hungern auf den verschiedenen Ebenen kann in der Vorgeschichte eine Rolle spielen. Hier geht es um Themen wie sich hängenlassen, keine weibliche Energie mehr übrig haben, den Kindern alles geben. Heutzutage kommen oft noch die sozialen Probleme zerfallener Familienstrukturen hinzu. Wer sitzengelassen wurde, mag dazu neigen, sich selbst zu entwerten und sich hängen zu lassen. Wer sogar mit Kindern sitzen- und hängen gelassen wurde, fühlt sich nicht nur verlassen, sondern meist auch fallen gelassen. Als ausrangiertes „Auslaufmodell“ glaubt sie dann, nicht mehr so anmachend, »brauchbar«‚ frisch. neu, voll und eroberungswürdig, sondern angeschlagen zu sein. Je weniger ihr dieses Empfinden bewusst ist, desto deutlicher wird es die Körperbühne zeigen.

Für die Einlösung dieser körperlichen Situation gilt das oben
bereits bezüglich hängender Brüste Gesagte. Hier kommt als Aufgabe
hinzu, sich der eigenen Lage bewusst zu werden und sich vorsätzlich
hängenzulassen im Sinne von verdienter Regeneration und Erholung.
Loslassen, entspannen und sich regenerieren steht an und kann den
Körper von der Aufgabe entlasten. Wichtig ist auch, sich
klarzumachen, dass entgegen allen modernen Vorurteilen gelebte
Brüste meist lebendiger, genussfähiger und erregbarer sind. Sie haben
Leben gespendet, ernährt, erhalten und Lust erlebt, und wenig nährt
Gelüste so wie gelebte Lust. Hinzu können Dankbarkeit und Freude
darüber kommen, dass sie nähren durften und so neues Leben
ermöglicht haben. Andererseits können diese Brüste auch
verdeutlichen, dass die mütterlich nährende und erotisch lustvolle Zeit
eher vorüber ist und neue, jetzt wichtigere Aufgaben warten wie die
Rolle als große Mutter, die den eigenen Enkeln und allen Kindern
Vorbild wird, aber natürlich nicht auf körperlicher, sondern auf geistig
seelischer Ebene. Ihre Größe liegt nun in Geist und Seele; die
Körperlichkeit tritt im Alter zurück.“

Dahlke, naja. Worte eines Mannes. Sehr getroffen – ins Mark getroffen hat mich der Satz darüber, dass die erotische Zeit vorbei sein kann. Für mich mit dreissig, die schon immer hängende Brüste hatte, aber mit nur einem Sexpartner überhaupt eine relativ begrenzte „erotische“ Zeit, bevor meine Taubheit begann, klingt das wie blanker Hohn. Es kann mir ja im Grunde egal sein, was irgend so ein männlicher Guru über Brüste schreibt, aber es hat einfach meinen Nerv getroffen. Das  Wort „ausrangiert“ trifft es dann doch recht gut, wie ich mich fühle.

Brüste im Zusammenhang mit Nahrung bzw. Hunger

Interessant finde ich, dass beide, Louise Hay und Dahlke, die Brüste im Zusammenhang mit Nahrung bzw. Hunger sehen. Ich weiß von meiner Mutter, dass ich als Baby oft über mehrere Stunden allein gelassen wurde und viel geschrieen habe. Außerdem hatte meine Mutter kaum Milch und ich nahm die Flasche nicht an und muss laut ihren Worten am Rande der Unterernährung gewesen sein. Dazu kommt noch, dass meine Mutter während meiner Schwangerschaft extrem abgenommen hat. Ich muss also wirklich gehungert haben. Und ich weiß, dass das stimmt, denn der Hunger ist immer noch da.

Gestern bin ich morgens aufgewacht mit einem Bedürfnis nach Berührung, das nicht erfüllt werden konnte, und so auf leerem Magen spürte ich es glasklar:

Mein Körper ist hungrig

Ich esse so oft viel zu viel und zu oft, und bin doch nie befriedigt. Mein Körper hungert tatsächlich nach?? und versucht, dieses gewaltige, unausgelotete Loch mit dem zweitbesten zu stopfen, das ich mir heute im Gegensatz zu damals selbst beschaffen kann: Essen.  Berührung wage ich dagegen erst langsam nachzufragen ;-), und wenn mein Mann mich berührt, ist es mir oft zu fest, zu schnell, zu zielstrebig. Es ist kompliziert.  Ich verstehe jetzt, was Tatjana Bach, die Gründerin der Schoßraum-Prozessbegleitung mit dem Wort „Nachnähren“ meint. Ich möchte noch einmal zu ihr.

6. Brustmeditation

Vor kurzem habe ich auf Empfehlung eine Körper-Meditation mit dem Thema Selbstliebe und Dankbarkeit entdeckt, bei der man innerlich durch den ganzen Körper geht und alles abscannt, fühlt und sich bei allem bedankt. Die Meditation hat mich sehr berührt, vor allem, als es an meine Problemzonen ging. Der Haken ist für mich nur, dass die Meditation von einem Mann geleitet wird und dementsprechend nicht auf meine spezifisch weiblichen „Features“ eingeht. Doch wie es das Glück wollte, stiess ich im Anschluss auf ein Video, das genau das anspricht, wonach ich gesucht hatte. Nämlich ein, wenn auch nur skizziertes Rezept auf die Frage:

Wie lerne ich meine Brüste lieben?

In dem Video, das übrigens eine interessante Beobachtung enthält, werden drei Fragen an meine Brüste gestellt:

  1. Was ist das Schlimmste, was euch je widerfahren ist?
  2. Was ist das Schönste, was euch je widerfahren ist?
  3. Wonach sehnt ihr euch wirklich?

Wie gesagt, ich spüre noch fast nichts in meinen Brüsten, aber dass ein BH, vor allem ein Bügel BH nicht die erste Wahl meiner Brüste ist, darüber besteht kein Zweifel. Mal sehen, was ich noch so alles zu Tage fördern kann…

 

Ein letzter Punkt, der wichtig ist, kommt zum Schluss:

7. Wenn ich mich bewege, finde ich mich schöner. 

Aller Selbsthass, die Zweifel und Unsicherheiten bessern sich drastisch, nachdem ich Schwimmen war, oder in der Sauna, oder auch beim Tanzen. Ich kann an einem Tag so fertig sein, dass ich mich kaum zum Schwimmen traue, weil ich mich den Blicken der anderen nicht aussetzen kann. Habe ich mich aber überwunden, dann ist dieser gleiche Körper danach aber viel schöner, und ich entspannter. Ein kleines Wunder, jedes Mal.

Noch kostet mich Bewegung viel Überwindung. Ich habe eine absolut frustrierende Sportlaufbahn hinter mir und beginne erst langsam zu spüren, wie sehr ich doch Bewegung  brauche.

Ein weiter Weg ist das, der da noch vor mir liegt. Hast du hilfreiche Antworten oder eine eigene Geschichte zu erzählen? Ich freue mich drauf!

 

 

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Harvey Weinstein und was das mit mir (und vielleicht auch Dir) zu tun hat

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Der Fall Harvey Weinstein: ein Aufreger da draußen. Innen aber tobt die Angst, wertlos zu sein. Sie ist es, die die Weinsteins dieser Erde füttert.

Kennt Ihr das auch? Manchmal lassen einen die Nachrichten wochenlang kalt, und dann, wenn man gerade sowieso auf irgendeine Art nicht die Ruhe weg hat, erwischt es einen wieder. Was war es, das dieses Mal den Nerv getroffen hat?

Das System Harvey Weinstein: die Welt gehört den Männern

In meinem Fall hat das jetzt Harvey Weinstein geschafft, der meine Knöpfe gedrückt hat. Auslöser war einer einer Wut auf all die mächtigen, selbstbewussten Männer „da oben“, auf dieses ganze patriarchale System, das ich umso deutlicher erkenne, je älter ich werde. Ein System, in dem aggressive Männer am Drücker sitzen, junge, schöne Frauen scheinbar davon profitieren, weniger erfolgreiche Männer zwar in dem Krieg, der ihr Männer-Leben oft ist, leiden, aber immer noch eine Gruppe unter sich wähnen dürfen: alternde Frauen, die marginalisiert und unsichtbar werden. Kommt man dennoch als Frau in höhere Sphären, dann braucht es männliche Mentoren und – in Deutschland – einen männlichen Kleidungspanzer (vom emotionalen Panzer ganz zu schweigen). Eine Angela Merkel mag vielleicht ein winzig kleiner Schritt sein, der aber umso deutlicher zeigt, welche Maßstäbe gelten: die der Männer.

Diese Maßstäbe gelten in Wirtschaft und Politik, wo Frauen ‚gewappnet in männlicher Rüstung‘ mitspielen können. In der Unterhaltungsindustrie, in der Werbung und in den Medien, wo wir zu Dekoration dienen. In der Landwirtschaft und in der Medizin, wo unsere Intuition und unsere Verbindung zur Natur – unser aller Grundlage – belächelt wird, bis in den Kreissaal, wo die Hebamme die Arbeit hat und der Arzt das Ansehen.

Ich kann mich in diese Generalisierungen hineinsteigern, ich kann das System spüren, ich spüre das Gefühl dieser selbstverständlichen Macht beim Anblick von Gesichtern in der Zeitung, die Überwältigung angesichts „kompetenter“ männlicher Expertenboards auf egal welchem Gebiet, aber auch – und da komme ich der Sache näher – meine Angst, in diesem System wertlos zu sein, vor dem älter werden, vor dem nicht-schön-sein.

Wütend bin ich auf das System da draußen, aber das Patriarchat ist in mir

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Update Teil 2: Fühlen

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Bild via http://www.rhetorik sturm.de

Im Februar war ich allein in der Hauptstadt bei Verwandten gewesen, das erste Mal ohne Kinder verreist seit zehn Jahren… Es war nur für wenige Tage, aber die hatten es in sich! Ich genoß die Freiheit, selbst zu entscheiden, auszuschlafen, in Ruhe ins Bad zu gehen, vor dem Frühstück noch Tee zu trinken, mir zu überlegen, was ich tun wollte: Gemälde gucken gehen bis zur Erschöpfung, in Läden stöbern, in meine neues, wunderschönes, weiches, simples Muji-Tagebuch schreiben 😉 *Papierfetischist*, nach Herzenslust lesen, Tanzen gehen, mich in Ruhe und doch mit Feuereifer mit meinem Bruder über Politik, Gott und die Welt unterhalten – zuhause habe ich da keinen solchen Ansprechpartner, kurz – alles das zu tun, was ich gerne tue bzw. tat bevor ich die Kontrolle über mein Leben verlor Mutter wurde. Ich weiß: eines Tages werde ich die Kinder bei mir vermissen, ihre Fröhlichkeit, ihren Lärm, ihre Unordnung, das Kleckern, Plappern, Streiten und so weiter, wenn sie groß, ernst geworden und ausgezogen sind. Ich sollte das alles zu schätzen wissen. Und dennoch… war ich so ein Mensch, der seine Zeit am liebsten allein verbrachte, mit zeichnen, denken, Texte/Tagebuch/Briefe schreiben, Klavier spielen, Musik hören, Kunst und Mode zu gucken… – solange ich da keine Balance gefunden habe, ist das Muttersein als (nicht honorierter, fast völlig allein getragener) Vollzeitjob für mich mit soviel Selbstaufgabe verbunden, dass es mir genau deswegen schwer fällt, eine gute Mutter zu sein, anstelle einer genervten, frustrierten, ungerechten, verletzenden Furie. Das ist mir in diesen Tagen ganz deutlich bewusst geworden. Am deutlichsten hat sich mein Glück darin gezeigt, dass ich das erste Mal, seit ich denken kann, KEINEN Hunger hatte.! Hätte ich mir nie vorstellen können! Ich, der ich vom ersten Augenaufschlag am Morgen bis spät in die Nacht essen musste, kam mit einem Salat, Obst und einem kleinen Abendessen über die Runden, und habe fast keinen Gedanken an das ganze Thema überhaupt verschwendet. Unvorstellbar für mich… Das war so ein Ausrufezeichen: „Du MUSST für dich sorgen!“ Wegen allem. Den Kindern zuliebe, meinem Körper zuliebe, mir zuliebe – aber auch meinem Mann zuliebe.

Am vorletzten Tag nämlich schleppte man mich in eine FKK-Therme. Ohgottogott. Wärmstens empfohlen, voller Begeisterung, wurde mir das. Ich liebe Wasser und ganz besonders warmes Wasser, Baden und Schwimmen gleichermaßen, und ich habe auch in den letzten Monaten beim Schwimmen beobachtet, dass ich – um’s Fühlen bemüht anstatt die Gedanken weiterkreisen zu lassen und Bahnen zu zählen – vom Bikini bedeckte Körperteile nicht spüren kann während des Schwimmens. Ich hätte das schon gerne ohne ausprobiert, aber… naja, eben alleine, unbeobachtet. Dort allerdings, in dieser Therme, spazierten die Nackten herum, als wenn es das Natürlichste auf der Welt wäre (ja, ich weiß schon) und ich merkte: nun muss ich auch blankziehen. Panik. P a n i k . Natürlich guckten die. Natürlich… Ich habe, bis vielleicht auf die Geburten, seit meiner Volljährigkeit  nicht mehr so extreme Gefühle empfunden: Einerseits unendliche Panik und Angst vor den Männern dort. Als würden sie mit ihren Blicken in mich eindringen, mein Innerstes betreten, mich erniedrigen, vernichten und auflösen. Und auf der anderen Seite flammenden Zorn und brennenden Hass. „Ihr habt kein Recht darauf, mein Intimstes zu sehen, kein verdammtes Recht, ihr …….. “ Ich kann es nicht gut in Worte fassen. Ich hätte gleichzeitig mich in einen Panzer verkriechen und Splittermunition schießen wollen. In der Realität hatte ich aber nur die Wahl, die nächsten vier Stunden ohne Lesestoff alleine aber sicher im Handtuch zu verbringen oder eben das Ding runterzunehmen und ins Wasser zu steigen. Ich überwand mich und huschte ins Wasser, ängstlich darauf bedacht, niemandem zu nahe zu kommen. Dann legte sich langsam die Angst, die Wut, ich war halbwegs verborgen und sicher und ein wunderschönes Gefühl begann sich auszubreiten. Das nackt-im-warmen-Wasser sein ist einfach herrlich, aber dazu kam noch etwas anderes. Langsam kehrte in meinen ganzen Körper Leben ein, selbst in die Brüste, die sonst gefühlt gar nicht existieren. Es war wunderschön, diese Berührungen, wie das Wasser die Haut streichelt beim Schwimmen, wie die Beinen aneinander streichen beim Gehen… Irgendwie kam es dazu, dass ich gegen Ende des Aufenthalts weder Wut noch Angst verspürte, sondern ein unbeschreiblich schönes Gefühl, das sagte: Ich bin genau richtig, ich bin eine junge Frau und schön, schaut nur, wenn ihr Lust habt, und ich fühle mich guuuuut. Schön! Ich, mit meinen schlaffen Brüsten, dem schrumpeligen Bauch, den Reiterhosen… Dass ich mich so einfach als ok empfand, das war auch ein erstes Mal für mich. Dieses ganze lebendige, prickelnde Gefühl, von oben bis unten, von den Haar- bis in die Fußspitzen lebendig zu sein, und in einem Frauenkörper zu wohnen – dieses Gefühl hielt an, bis ich zwei Tage später nach Hause kam. Ich spürte fast so etwas wie einen Magnetismus zwischen mir und Männern, ohne, dass ich etwas brauchte oder wollte, es war einfach da und ich war völlig zufrieden so. Als ich in der Nacht danach in einem Club einer Frau sagte, dass es Spass mache, ihr beim Tanzen zuzusehen, weil sie einfach so sinnlich, glücklich und weggetreten tanzte, küsste sie mich – ups! Ich liess mich darauf ein, irgendwie… war das sehr schön, aber anders, es fühlte sich freundschaftlich an von meiner Seite aus, liebevoll, aber nicht so unter Spannung wie mit einem Mann. Ich maß dem keine große Bedeutung bei, aber jetzt denke ich, dass das vielleicht auch mit diesem tollen Gefühl seit der Therme zu tun hatte. Zuhause angekommen schlief ich mit meinem Mann, und am Anfang war alles fast wie in unserer Anfangszeit. Alles prickelt, alles ist lebendig, aber fast sofort begann mich eine Menge so unheimlich zu stören, wie es mich noch nie gestört hatte: dass er viel zu routiniert, zu grob, zu schnell vorging. Die paar Handgriffe, um sich endlich dem Gebiet zwischen den Beinen zuwenden zu können, hatten so etwas Liebloses, neugierdeloses… Ich hätte in jeder Sekunde „Halt! Stopp! So nicht!“ schreien mögen. Zuerst versuchte ich, seine Hände zu lenken, aber mein Mann ist unbeirrbar. Vielleicht hätte ich etwas sagen müssen. Wie aber etwas sagen, ohne ihn zu verletzen, ohne alles kaputtzumachen? Ich war zu mutlos, und liess ihn weitermachen, machte mit, während sich in mir alles wieder verschloss. Von diesem lebendigen Gefühl war am Ende nichts mehr übrig und seitdem ist es nicht mehr wiedergekehrt.

Es ist wohl so: mein lebendiges, zartes Körpergefühl gleicht einem scheuen Reh, und es zeigt sich nur unter besonderen Umständen, die zu schaffen, mir einfach nicht gelingen will. Komisch, dass es erst durch so eine Art Schocktherapie überhaupt aufgetaucht ist. Therapie von was? Was ist mein Problem mit Männern? Und warum ist meien emotionale Angst vor meinem Mann, mich mit meinen Gefühlen und Empfindungen vor ihm zu zeigen, anscheinend noch so viel größer als diese krasse Angst, meinen Körper vor den fremden Männern zu zeigen? Wenn ich nur hier auch so ins kalte Wasser springen könnte…

Und ich zermartere mir weiter das Hirn: wie schaffe ich hier bessere Bedingungen für mich? Was kann ich hierher hinüberretten? Zum Tanzen Ausgehen in meiner Stadt ist mal so richtig beschissen geworden, seit ich in Berlin war. Hier komme ich mir mit knapp dreissig vor wie ein Fossil, und die musikalische Auswahl ist einfach nur traurig. Zeit, auch ein Problem. Wie kriege ich mehr Zeit für mich? Und wenn ich für mich sorge, wird das für meinen Mann immer deutlicher, wie eigentlich schädlich, wie auslaugend und frustrierend sein Leben als Fabrikarbeiter ist. Wie wenig es auch Seines ist… Aber wie kommen wir da heraus? Aus dieser Mühle aus Geldnot/Arbeit/Pflichterfüllung/Selbstaufgabe/Druck/Druckablass/Erosion der Beziehung bzw. des Familienlebens…? Ich weiß einafch gerade nicht, wie, nur, dass muss, was muss. Ohne, dass wir uns trennen.

Denn seitdem haben unsere Streits deutlich zu genommen. Ich bin wütender, fordernder, klarer geworden. Ich will vieles nicht mehr auf mir sitzen lassen, den Tonfall, den ich mich nicht trauen würde, die Ermahnungen, die Agressionen. Ich sage, „ich möchte gern das und das machen“, anstelle von „dürfte könnte ich bitte, ginge es irgendwie, dass…“ Und nach den Streits, nach der Wut und nach allem, kam manchmal, tatsächlich, was es früher nie gab: ein Entschuldigung für die Worte, die Gesten etc…

Ein anderes Überbleibsel aus Berlin ist der Salat zum Frühstück. Irgendwas aus dem Garten: Löwenzahn, Rucola, Schafgarbe, Spitzwegerich, Melisse, Brennnessel… Gekauften Salat, vielleicht Tomaten und Gurken oder sogar Käse und Tuhnfisch dazu, immer aber Leinsamen und Sonnenblumenkerne oder Kürbiskerne, und viel Olivenöl drüber… Das hat lange funktioniert und mich bis nachmittags satt gehalten. Außerdem konnte ich mich bezwingen, nachts nichts mehr zu essen und mein eigenes, gesünderes Essen zu kochen als für den weißmehlliebenden Rest der Familie. Infolgedessen kam ich das erste mal seit einer autoaggressiven Hungerphase in der Teeniezeit auf ein Gewicht, mit dem ich mich wohlfühle und der Figur dazu. Juhu! Das ist für mich dieses Jahr so richtig toll gewesen. Ich sehe mir zwar immer noch sehr an und spüre es auch, dass meinem Körper immer noch eine Bewegung fehlt (die er liebt), aber die Rahmenbedingungen sind schon ganz andere.

Bis zum Sommer schien vieles bergauf zu gehen. Der Sommer aber geriet so, wie ich ihn schon seit der Teeniezeit kenne: heiß, mit lauen Nächten, aus allen Poren schreiend nach dem ganz gr0ßen Glück, nach Freiheit, nach Abheben, nach Genuß, nach Liebe… Und wie groß wieder der Kontrast! Erschwerend kamen dazu die Sommerferien, das heißt alle drei Kinder rund um die Uhr zuhause. Ich fühlte(fühle) mich so sehnsüchtig, so durstig, so vertrocknet, so eingesperrt, so angebunden und erstickt zuweilen, und unterschwellig wohl die ganze Zeit, denn ich habe wieder begonnen, ständig zu essen, ständig Zeit mit belangloser Leseablenkung zu verbringen, herumzuschreien, meine Haut aufzukratzen und so weiter und so fort. Da bin ich gerade also…

Ich weiß, dass es mir im Herbst besser gehen wird, wie schon immer in meinem Leben. Im Herbst, wenn sich alles wieder senkt, wenn ich mich einkuscheln darf und wenn die Welt wieder nüchterner wird, und das große Glück wieder nebensächlich. Wenn ich mich ins Dunkle, in die Erde verkriechen kann, in den Wald gehe, der Nebel aufsteigt, dies alles, und nicht versuche, an meinen inneren Ketten zu zerren, um endlich fliegen zu können. Ich weiß, wie kindisch das alles klingen mag, aber ich weiß auch, dass es für mich so stimmt, dass ich nicht mein ganzes Leben lang eingeigelt bleiben möchte, aber ich möchte auf dem Weg dahin nichts leichtsinnig zerstören, niemandem weh tun, und vor allem wahrscheinlich ganz egoistisch infolgedessen von niemandem verletzt/verlassen werden und das ist so schwer…

Wenn es so wäre: Im Sommer frei fliegen, im Herbst heimkehren und sich einkuscheln, Dinge bereinigen und den Winter verbringen, im Frühling wieder Dinge ordnen und sich losreissen.. – wenn es so wäre, so sein dürfte oder müsste – wäre das für meinen konservativen Mann jemals eine Option, mich so sein zu lassen? Hätten wir jemals so eine Chance? Es ist meine allergrößte Angst, dass der Mensch, der ich – mir noch verborgen – wirklich bin, von meinem Mann nicht anerkannt werden kann. Oder vielleicht sogar von niemandem. Dass ich immer einsam und frei, oder zusammen und verbogen leben muss. Nur entweder oder. Irgendwie ist es mein Traum, gleichzeitig frei und einem Ort treu sein zu können. Ich weiß es nicht… Das sind solche Sorgen von morgen, aber die Ängst sind heute schon da und sie werden mit jeder Selbstoffenbarung und jedem Schritt, mich vorsichtig zu öffnen, größer und stärker. Noch habe ich kleine Kinder, aber auch, wenn sie ausgezogen sein werden: ich will diesen Mann nicht verlieren. Ich weiß, dass es für ihn nur entweder mit ihm oder gegen ihn gibt. Noch?  Vielleicht hat er auch Angst? Ich habe keine Ahnung… Ich wünsche mir einfach, dass an meinem Lebensende alles gut wird und ich dann nicht voller Bedauern bin, wenn ich zurückschaue…

Update Teil 1: Sex

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So wie sich das für einen kleinen, unbedeutenden Blog gehört, musste es dieses sein: die viel zu lange Pause zwischen den Einträgen, von fast genau einem Jahr, um genau zu sein. Vielleicht finden sich dennoch Leser und – noch lieber – Schreiber bereichernder Kommentare.

Was hat sich getan in diesem ganzen Jahr?

Im Großen und Ganzen lässt sich die Entwicklung so beschreiben, dass das ganze Thema Sex und Fühlen zwar immer noch im Nebel liegt, doch zum Teil etwas näher gekommen und damit deutlicher zu erkennen ist.Das vage Nichts-Spüren beim Sex entpuppte sich als erstens physischer Schmerz bei der Penetration und zweitens deutlicher Einsamkeit fast die ganze Zeit, jeder ist für sich in seiner Welt, es besteht kein Kontakt.

Ich spüre deutlicher, was genau ich möchte und nicht möchte. Ich möchte alles langsamer, ich mag das Gefühl nicht, dass wir einem Plan folgen mit einem Ziel, dieses „um, zu…“ jeder Bewegung, die Lieblosigkeit von Berührungen, das Grobe. Ich wünsche mir Augenkontakt. Das findet mein Mann unangenehm. Ich wünsche mir ehrlich sein zueinander.

Da merke ich, dass auch ich dazu nicht beitrage. Zwar versuche ich mittlerweile, seine Hände zu lenken, ihn vorsichtig zu bremsen oder ihm an ihm Berührungen zu zeigen, die ich mir wünsche, mit mäßigem Erfolg, aber immer noch viel zu häufig sage ich keinen Mucks darüber, was bei mir Sache ist.

Die Gründe dafür sind zum einen, dass ich mir eigentlich ein bestimmtes Gefühl bei meinem Mann wünsche, von dem ausgehend er mich berührt. Eine Art liebevolle Zuwendung ohne ein Ziel oder diese Gier dahinter. Wie Kinderspiel, so zeitlos und präsent… Ich weiß nicht, wie ich ihm das erklären oder das von ihm verlangen soll. Je spürbar unbefriedigender unser (trotz allem mindestens wöchentlich stattfindendes) Sexleben geworden ist, desto größer ist auch diese Gier geworden, und das verstehe ich auch, aber dass man da fasten muss, um später satter zu werden – ohne ihm ein Beispiel zeigen zu können, einen Blick durch’s Schlüsselloch der fest verschlossenen Tür – das ist so schwer zu vermitteln. Der zweite Grund für mein Nichts-Sagen ist der viel wichtigere: meine Angst. Ich kann mit der Enttäuschung, dem Frust und der fast zwangsläufig daraus erwachsenden Wut meines Mannes immer noch wahnsinnig schlecht umgehen. Mein Mann nimmt alles, was nicht nach Plan verläuft in unserer Familie, höchstpersönlich (haha, ich auch, wenn ich so drüber nachdenke) und um sich dann wiederum davor zu schützen, muss ein Schuldiger gefunden werden (ich mache mich dann in solchen Fällen selbst fertig).  Das bin in diesem Falle ich. Wenn ich überhaupt von mir mitteile, dann hinterher, wenn ich das Gefühl habe, der ärgste Druck ist von ihm abgefallen und er reagiert vielleicht etwas gelassener. Obwohl es ihm dann im Nachhinein sein Erlebnis zunichte macht… Und als Letztes trieb mich in der Vergangenheit auch ein vielleicht nicht ganz so kleines bisschen auch dieses „ach komm, ein Minioberflächenorgasmus, der zwar nur einen Sekundenbruchteil dauert und jede Menge Anstrengung und Schmerz kostet – trotzdem besser als nichts, oder?“. Denn genau das ist es, was kommt, wenn ich in lichteren Momenten kompromissloser bin und von Anfang an bremse: Nichts. Nichts unangenehmes, aber auch sonst Nichts. Mein Verdacht ist, dass wir da durchmüssen. Eine Weile Wüste. „Waaas!? Noch mehr Wüste!?“ würde mein Mann da wahrscheinlich rufen.

Und da, wo alles immer unangenehmer wird, mein Mann immer frustrierter, immer weniger schöne Momente sich auftun, um unserer Beziehung mal wieder etwas Tankfüllung zu verschaffen für diese Wüstenstrecke, wo in Streits immer schneller von Trennung die Rede ist, meine Ängste mich manchmal fast umbringen – ausgerechnet da soll ich den Verzicht auf Orgasmus/Sex-im-herkömmlichen-Sinne durchsetzen? Etwas Altes abschaffen, ohne etwas Neues präsentieren zu können? Das ist so, ähm, unangenehm wie es klingt – nein, eigentlich noch mehr. Und da bin ich gerade dabei… Und, nachdem dieser Zustand sich seit gut fünf Jahren anbahnte, muss ich dem Ganzen hier jetzt wohl auch Zeit geben. H i l f e. Wie sehr wünsche ich mir oft, jemand nähme uns an die Hand und sagte uns, dass alles gut würde, dass wir das schaffen, dass wir auf dem richtigen Weg seien. Und am besten noch, was wir zu tun haben. Und zwar, ohne dass wir dafür das Vermögen zahlen müssen, das wir als Arbeiter/Studentenhaushalt nicht besitzen.

Es ist doch absurd: In dieser Zeit, wo die Menschheit alles kann, wo man für jede noch so unbekannte Zivilisationstechnik ein Tutorial auf Youtube oder eine Anleitung im Netz findet, wo über alles gesprochen wird und so vieles aus dem Schatten auf den Tisch gepackt und erzählt wird – in dieser Zeit gibt es vielleicht drei oder vier Namen, die auf diesem Gebiet „guter Sex in langen Beziehungen“ irgendeine Hoffnung vermitteln, und das zu horrenden Preisen. Hier gibt es nirgendwo etwas kostenlos. Bücher kosten nicht zehn, sondern 18 Euro, DVDs nicht 12, sondern mindestens 20. Beratung selbstverständlich nicht über Kasse, nicht für 80, sondern mehrere hundert Euro die Stunde. Und das für ein Problem, das ausnahmslos alle meine näheren weiblichen Bekannten und Freunde beschäftigt, von Trauer über Wut bis zur Resignation. Ich kenne niemanden, den ich fragen könnte, und mein Mann noch weniger, denn abgesehen von seinem einzigen Freund, der mit seiner Frau in derselben Situation steckt, spricht er sowieso mit niemandem darüber und bezeichnenderweise tun wir das auch nie zusammen mit anderen, als ob es unter Männern generell sowieso immer noch ungebrochene Pflicht sei, sich als Held, oder doch wenigstens schweigend von jeglichen Problemen unbefleckt zu inszenieren. Jedenfalls: dieses Thema ist DER Mangel in meinem Leben in Deutschland, in dem es mir sonst an nichts zu mangeln scheint. Hat denn außer diesen hochpreisigen Beratern niemand diese Glasdecke der Paarsexualität durchbrochen und davon berichtet?

Ok, das war eine längere Abschweifung, ein Gemecker, das ich schon lange loswerden wollte.

Nachdem das jetzt alles so negativ klingt, muss ich aber auch von einem Erlebnis berichten, dass mich für mich ganz allein ein bisschen durch die Wolkendecke hat blicken lassen, so kurz es auch währte. Außerdem habe ich mich auf anderem Gebiet voranbewegt, glaube ich. Das ist aber ein anderer Post, eher unter dem Thema „(Körper-)Gefühl“, den in den nächsten Tagen online stellen möchte.

Ein Bruch, Lichtung, kleine und größere Bettfreuden

Die letzten Tage und Wochen waren fürchterlich. Ich habe ja schon etwas dazu geschrieben, und mit Sicherheit ist es noch nicht vorbei. Ich weiß immer noch nicht, was los ist mit mir. So wie meine Haut im Moment aussieht: Pickel und Unreinheiten von Stirn bis Kinn, so ’not clear‘ bin auch ich im Ganzen. Wie ein schmutziger Tümpel mit trübem Wasser, so fühle ich mich gerade. Manchmal wache ich morgens auf und möchte weinen, ohne zu wissen warum. Oder ich bin genervt, unzufrieden und frustriert, weiß aber nicht was ich brauche. Die Anwesenheit meines Mannes, der gerade Urlaub hat, ist manchmal fast unerträglich für mich. Ich fühle mich dann ständig falsch, beobachtet und unter Druck. Dabei kommt das alles gar nicht von ihm; ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass das nur das unerträgliche Gefühl ist, mich im Spiegel zu sehen, so wie ich gerade bin/mich fühle.

Und weil ich so gar nicht in der Lage war, daran irgendetwas zu ändern – im Gegenteil – ich spürte, wie es von Tag zu Tag schlimmer wurde und noch zwei Wochen Urlaub meines Mannes sowie vier Wochen Schulferien mit allen Kindern zuhause bevorstehen, kam mir allem Anschein nach mein Körper auf seine gewohnt charmante Art zur Hilfe und liess mich gestern mit einem vollendeten Kracks mit dem Fuss gegen einen Türrahmen stossen, um mir über eine gebrochene Zehe irgendwie Einhalt zu gebieten. Ich kann einfach immer noch nicht sagen, dass ich gerne etwas Pause hätte und nicht ständig verfügbar/am Laufen/Hausarbeit erledigen möchte, fünf, sechs Stunden Zeit für mich vielleicht in der Woche. Mein schlechtes Gewissen bringt mich fast um, bevor ich so eine Bitte über die Lippen bringe. Hässlich, egoistisch, faul, fehl am Platz, unverantwortlich, gierig und anmaßend fühle ich mich bei diesem Wunsch, meinem übermächtigen Wunsch nach Alleinsein. Nun aber kamen aus dem Munde einer Autoritätsperson in Weiß die Worte „Schonen“ und „es ruhig angehen lassen“, danke vielmals dafür. Und selbst dann konnte ich es noch immer nicht: gestern lief ich wie jeden Tag bis spät nachts Hin und Her, mit Kindern, Wäsche, Kochen, dies holen, das wegbringen, wickeln, baden, und hatte abends einen heißen, geschwollenen Fuss und fühlte mich innerlich dreitausend Kilometer von mir, meinem Mann und den Kindern entfernt, und dementsprechend verhielt ich mich auch gegenüber ihnen. Dazu kam noch der gewaltige Frust, dass ich die letzten Wochen umsonst wegen den Nachtschichten meines Mannes auf’s Schwimmen gehen verzichtet hatte, weil das erhoffte Nachholen nichts wird, genauso wie das eventuelle Tanzen gehen, worauf ich mich monatelang gefreut hatte. Meine Laune war furchtbar.

Heute aber beschloss mein Mann, mit den Kindern das erste Mal alleine zum Schwimmen zu gehen, denn es lag auf der Hand, dass ich nicht mitgehen konnte, so dass ich knappe vier Stunden für mich alleine hatte und das auch noch zu meiner schon viel besseren Zeit – abends von halb fünf bis acht. Der Abend und die Nacht sind wirklich meine wertvollste Zeit, nie erlebe ich so intensiv, klar und tief, und nie bin ich so effektiv wie in diesen Stunden. Ich mag die Stimmungen des Abends und der Nacht, der Dämmerung und der Dunkelheit, das Morgengrauen dagegen hat seinen Namen meiner Meinung nach wirklich nicht umsonst ;-)…

Eigentlich hatte ich vorgehabt, irgendetwas in Richtung Meditieren zu unternehmen (was ich noch nie gemacht hatte und vielleicht gar nicht kann), dann aber atmete ich erst einmal auf und genoss ohne den mir ständig vorgehaltenen Spiegel meines inneren Richters die Freiheit der nächsten Stunden. Im Internet Klamotten zum Verkauf hochladen, Nagellack und Make-Up googeln, ein bisschen queerlesen. Die nächste Tasse Tee machen, etwas woran ich sonst nie denke, den Bildschirm ausschalten, im Licht der Dämmerung meine Papierstapel abarbeiten, Fingernägel in einem wunderschönen mattschwarz lackieren (oh, wie passt diese Farbe gerade! Und was für ein gutes Gefühl das ist, das Innere nach Außen sichtbar machen zu können…*),  Zeitungsschnipsel ausschneiden und einkleben – in das Mode/Stilfindeheft, das ‚Kunstguckheft‘, das Alltagsnotizbuch und Artikel oder Zitate, die mich aus irgendeinem Grunde berührt hatten, in mein Tagebuch. Darin flogen auch noch so allerlei Zettel und Ausdrucke herum, die ich endlich einkleben, kommentieren und damit ad acta legen konnte. Kurz bevor die ganze Bande zufrieden (ob der Entfernung von der unausstehlichen Mutter und Geliebten) und müde zuhause eintrudelte, konnte ich noch kurz Tagebuch schreiben und obwohl ich noch gut und gerne drei weitere Stunden so alleine vor mich hin ‚geklärt‘ hätte, war ich zum Abendbrot wieder einigermaßen Ich. Ich konnte wieder freundlich und gelassen sein, und war in der Lage ruhig und ohne entschuldigendes ‚ich bin  nur ein niedliches Mädchen-‚Lächeln meinem Mann zu sagen, dass es mir Leid tut, wie ich gerade bin, dass ich aber selbst nicht weiß, was gerade mit mir los ist und mich fühle wie mitten im Nebel, sogar dass ich eine Psychotherapeutin angerufen hatte, bei der ich nun auf der Warteliste stehe und viel Hoffnung da hinein setze.

Als mich mein Mann dann nachts bat, wie er es öfter tut, ihm einen zu blasen (suche noch nach einem schöneren, liebevolleren Wort dafür, Ideen?), fühlte ich nicht wie in letzter Zeit so oft dieses verzweifelte „Nein, ich hab doch gar nichts zu geben, ich brauche so viel für mich, wie kann ich jetzt  da mit ganzem Herzen etwas geben??“, sondern konnte ihm einfach sagen, dass ich das gern für ihn tun könne, von mir selbst allerdings nicht viel zu erwarten sei, da ich wie gesagt gerade ziemlich aus dem Gleichgewicht bin. Das sagte ich auch deswegen, weil mein Mann sich eigentlich nie bis zum Orgasmus lecken (hm, ist doch wohl eher saugen) lässt, sondern eigentlich immer zum Sex mit mir übergeht (stellt Euch vor, aber ich habe mich noch nie getraut, zu fragen, warum das so ist. Dabei haben wir 2015 und nicht 1955…), wobei ich dann wieder seine Erwartung spüre, dass es für mich schön sein soll. Und das ist für mich der schwierigste Teil, in den letzten Jahren bin ich zunehmend taub/gefühllos geworden und wusste mir keinen Rat. Naja, jedenfalls habe ich an ihm gespielt/gesaugt und geleckt, wobei ich auch wirklich bei ihm bleiben und mich auf jeden Zentimeter Haut konzentrieren konnte. Und irgendwie kam darüber ich in diese Stimmung, zu erspüren, was sich für ihn besonders erregend anfühlt, was dann wiederum mich selbst angemacht hat – in Maßen, aber immerhin. Irgendwann musste ich ständig schlucken und Luft holen wegen meinem Würgereiz, den ich nicht umlenken kann, und mein Mann zog mich auf die andere Seite und machte so weiter – und ich kann sagen, dass ich einen Hauch spürte… Juhu! 😉

Vor einigen Wochen, am Tag, bevor meine Periode viel zu früh einsetzte, hatte ich auch so ein Erlebnis. Oralsex bei ihm, der mich selbst richtig erregte und dann wirklich, wirklich intensiven Sex. Irgendwann konnte ich dann nicht mehr und verlor den Faden wieder, aber diese Stunde, die es so intensiv war, war so unendlich schön, wie hatte ich das vermisst! Doch habe ich das danach nicht mehr so hinbekommen. Ich frage mich, ob mein Mann das wirklich gar nicht mitkriegt, diesen Unterschied? Er sagt immer, dass es für ihn gut ist. Vielleicht genauso wie auch ich immer so mitmache, als ob ich etwas spürte,,, *schäm* Da sind wir uns wohl beide sehr ähnlich, falls er das auch sagt, weil er wie so oft, bei Problemen einfach leugnet und versucht, die Harmonie zu bewahren…

Ein Erlebnis etwas anderer Art war der Sex vor einigen Wochen, als ich mich mittendrin so nach Augenkontakt sehnte und ihn ansah und sich seine Reaktion total nach Ausweichen und ‚keine Liebe‘ anfühlte. Als ob seine Erregung nur erhalten bleiben könnte, wenn er mir nicht in die Augen und damit in meinen Charakter/meine Person sehen muss, sondern sich einfach an den Körper hält. Dieses Gefühl hat mich so traurig gemacht, aber statt es schnell der Spannung willen beiseite zu schieben, liess ich es bleiben und musste weinen, und da wurde es mit einem Mal ebenfalls intensiv, aber mehr auf eine schmerzvolle, aber verbundene, innige Art, als auf eine sexuelle, lustvolle. Früher musste ich beim Sex oft weinen, weil ich mich so berührt gefühlt hatte von meinem Mann/Freund, und das war lange nicht der Fall gewesen.

Wenn ich so darüber nachdenke, hilft mir also auf jeden Fall Ehrlichkeit und Klarheit in irgendeiner Form. Um das zu können, brauche ich aber Luft zum Atmen, Zeit für mich allein. Um die zu kriegen, muss ich das sagen können. Um das sagen zu können, muss ich fühlen, dass ich das sagen darf, dass ich meinen Wunsch verdient habe. Das kann ich noch nicht, dazu brauche ich Hilfe. Und zwar deutlich mehr Hilfe als die bereits unendlich tolle, immer wiederkehrende Aussage meines Mannes: „Sag mir, was Du brauchst/willst, ich sorge dafür!“ Man sollte meinen, dass das schon sehr viel ist, mehr als viele Frauen erleben. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich einfach riesengroßes Glück. Bei meiner inneren Einstellung (ich bin scheisse, ich bin egoistisch, ich habe nichts verdient auf dieser Welt, ich bin Dreck) hätte ich mindestens an einen Mann geraten können, dem alles egal ist, wenn nicht sogar an einen, der mich misshandelt. Mein Selbstbild läd fordert geradezu dazu auf, und tatsächlich habe ich manchmal Gewaltfantasien, wenn es mir schlecht geht. Aber nein, ich wurde mehr oder weniger ausgesucht von einem jungen Mann, der mir alle Möglichkeiten bietet, mich aufzufächern. Jetzt liegt es an mir…

Das Zweite in Bezug auf Sex ist diese  ~Überbrückung seiner Lust auf mich. Wenn ich spüre, was ihm Lust bereitet, spüre ich auch Lust. Nur aus mir Selbst kann ich das nicht. Das ist merkwürdig, irgendwie eine Prostituierteneigenschaft? 😉

*Das Innere nach Außen hin sichtbar machen: In meiner Teenagerzeit ging es mir ziemlich schlecht. Ich drehte mich im Kreis zwischen Selbsthass, dem Wunsch nach Selbstmord und dem Hass auf mich wegen meiner Unfähigkeit, Selbstmord zu begehen. Nicht zufällig ging ich in diesen Jahren in schwarz, hörte schwarze Musik, las düstere Bücher und verehrte dunkle, morbide Ästhetik aus vergangenen Zeiten. Ich wollte fast sagen, wurde ein Teil der schwarzen Szene, aber das stimmt nicht, denn selbst dort war ich wegen elternhausbeschränkter Kleidung, Weggehmöglichkeiten und mangelnder Coolness ein Alleingänger. Trotzdem hat mir das bestimmt rückblickend sehr geholfen. Heute denke ich manchmal, dass die lauten, provozierenden, auffällig gekleideten Jugendlichen wohl bei Problemen besser über die Runden kommen als die, die sich bis zur Vollendung an das gängige Hübsch/Nett/Harmonieprinzip anpassen. Irgendein Ventil braucht der Mensch, hm?

Schnickschnack: Hochsommer

Im Kontrast zu den eben beschriebenen Wogen steht eine ausgiebige Beschäftigung mit Kosmetik und dem Drumherum in den letzten Wochen. Auf dem Nageldesign-Blog Lackfein las ich von einer genial einfachen Technik, sich aus Nagellack Dekorationen zu basteln: Lack auf Verpackungsfolie auftragen, trocknen lassen, abziehen, zurechtschneiden (reissen in meinem Fall) und auf die lackierten Nägel pressen – fertig. Das hält bombenfest, ganz ohne Kleber, ich war hin und weg.

sommernägel

Ich benutzte zu Dekorationszwecken einen Lack von Essie (türkis) und einen sanftblauen von Kiko, der sich aber fast gar nicht von der Folie ablösen liess. Auch bei dem Essie-Lack war es schwierig, daher für’s Erste nur gerissene Fetzen ;-). Ach ja, die Scheiß-Drauf-Mentalität, die sich einstellt, wenn man sich als Kleinkindmutter am Nägelmachen versucht, ist den Nägeln deutlich anzusehen, und dennoch – ich mochte es.

Sehr geärgert hat mich allerdings dies hier: dass Alverde ausgerechnet im Hochsommer zwei meiner Lieblingsprodukte auslistet. Beides sind Peelings, das eine die Heilerde Peelingmaske für’s Gesicht, die immer leicht nachbrannte, was sich im Hinblick auf die unreine Haut, gegen die es konzipiert war, super anfühlte, und das andere ein frisch duftendes Zitrone Rosmarin Cellulite Duschpeeling. Die Peelingmaske wurde ersetzt durch eine Heilerde-Waschcreme, die weder Abrieb noch Frische besitzt und sich total ineffektiv anfühlt. Das Duschpeeling hat überhaupt keinen Ersatz abgesehen von einer Lotion in ähnlicher Verpackung. Diese beiden Produkte habe ich ständig nachgekauft, und als ich dieses Mal damit losmarschiert bin, war der Frust wirklich groß, denn Ersatz scheint in der Preisklasse nicht in Sicht; dem neuen Lavera Peeling beispielsweise fehlt die Frische des Alverde Peelings. Dann also auf die Suche… Hmpf.

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Ebenfalls weniger erfreulich ist, dass Weleda meinem Eindruck nach die Zusammensetzung der Mandel-Gesichtspflege verändert hat. Die erst so heißgeliebte, dann nachgekaufte Tagescreme duftete auf einmal nicht mehr berauschend nach Mandel, sondern an erster Stelle nach billigem Sonnenblumenöl aus der Küche. Jetzt fristet sie ihr Dasein im Spiegelschrank, zu schade zum Wegwerfen zu benutzt zum Verschenken? Ähnlich geht es mir mit der Mandel-Reinigungsmilch, bei der ich allerdings den Verdacht habe, dass sie in den extremen Temperaturen der vergangenen Wochen umgekippt sein könnte.

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Als wahrscheinlich Eine der Letzten habe ich entdeckt, das TK Maxx zuweilen auch Naturkosmetik führt, darunter neben Cattier , deren dezente Düfte ich sehr mag, auch Marken aus Neuseeland, Großbritannien und Australien bei denen ich mir bezüglich des Naturkosmetikstatus nicht so sicher bin. Mit den INCI’s kenne ich mich nämlich noch nicht gut aus. Lange habe ich für meine Haare außer Shampoo gar nichts benutzt, mittlerweile versuche ich das leidige Thema (feine, dünne platte Haare) wieder mit Spülungen anzugehen. Bei TK Maxx erstand ich zu diesem Zweck den Conditioner with Argan Oil von By Nature from New Zealand. Kann bis jetzt keinen Unterschied zu meiner Standard Alverde Aufbauspülung erkennen. Mal sehen. Im Rahmen des Haarprojekts habe ich mir heute auch das erste Mal Zeit genommen für eine Packung neutrales Khadi Henna Senna/Cassia, mal sehen, wie sich die Haare morgen und in den nächsten Tagen hinsichtlich Volumen so machen. Wahrscheinlich werde ich das aber zu Testzwecken noch zwei- oder dreimal wiederholen, das grüne Matschvergnügen, das so herrlich nach Gras duftete.

Und zu guter Letzt, weil es so schön ist – eine Handvoll Lampionblumen, die meine Kinder unerlaubterweise gepflückt hatten, mit etwas Knöterich dazwischen – ich liebe einfach Orange mit Pink (nicht an mir, aber zum Anschauen) :-)!

lampionblumen

Sich verlieren und unsanft daran erinnert werden, Hitzewochen und heftiges Gewitter

Das fängt schon gut an, mit wochenlanger Abwesenheit.

Ich habe zwischen den Tagen den Faden oder vielleicht auch mich wieder völlig verloren. Meine schlechte Gewohnheit, zu viel, zu spät in der Nacht, zu oft und zu viel Süßes zu essen, hat sich in dieser Zeit der Selbstvergessenheit wieder eingeschlichen, während die gute Gewohnheit, zwei- bis dreimal die Woche Schwimmen zu gehen, durch das Einsetzen der monatlichen Periode unterbrochen wurde. Die ersten Monate waren noch aufregend und toll – wieviel ich spürte und beobachten konnte! Als kleiner Bonus lief die Periode auch noch mit dem Mondzyklus synchron, was ein tolles Gefühl! Doch dann fiel es mir zunehmend schwerer, mich mit mir selbst zu beschäftigen, wozu die Entdeckung und das Binge Watching einer Serie (OITNB, um genau zu sein) einen nicht unerheblichen Teil beitrugen, aber auch der hochsommerliche Freizeitstress und der Fakt, dass mich die Hitze zermürbte, in einen permanenten Slow Motion Modus versetzte. Der permanente, immer noch anhaltende Appetit deutet aber auch auf etwas anderes hin.

Irgendwann gipfelte das alles. In körperlicher Hinsicht so, dass ich plötzlich elf Tage zu früh zu bluten begann, altes, braunes, faseriges Blut, vier Tage lang. An dem Tag, an dem ich damit zu meiner Frauenärztin ging, weil ich mir absolut keinen Reim darauf machen konnte und mir von ihr einen Fingerzeig auf dem Weg zurück in meinen Körper erhoffte (vergeblich, das waren einfach diese unberechenbaren ‚Hormone’…) ging das Ganze in die Periode über, immer noch eine Woche zu früh. Und futsch war die Synchronizität.

In seelischer, oder geistiger Hinsicht brachten die vergangenen Wochen dann wunderbare Vulkanausbrüche mit sich. Wochenlang keine freie Zeit, Kinder von früh bis spät, und dann Ferien. Alle Kinder von Früh bis spät. Mein Mann arbeitete Nachtschichten und ich wagte es nicht, ihn um einen freien Nachmittag zu bitten. Selbstvernachlässigung in jeder Hinsicht bei gleichzeitiger Flucht in sinnlose Ablenkungen wie Mal-eben-Feeds auf dem Handy und die erwähnte Esserei. Und irgendwann reichte dann nur noch ein mal wieder Aufwachen in Tageskleidung, was bedeutete, dass ich meine Zeit-für-mich-Nacht‘ verschlafen hatte, um einen Tag in Tränen und Frust zu ertränken, so dass mir mein übermüdeter Mann fast aufdrängte, für ein paar Stunden allein zu sein, was ich dann voll schlechten Gewissens tat. Erst einmal Klavier spielen, danach war mir leichter, und dann suchte ich nach Musik, die meinem Bedürfnis entsprach, fand aber nichts und verliess die Wohnung in Richtung Innenstadt, auf der Suche nach einem Ort, der mich einhüllen und beruhigen könnte. In einem kleinen Gartenpark schrieb ich Tagebuch, gegen den Stress ankämpfend, den die Anwesenheit der anderen Besucher in mir auslöste. Meine altbekannte Unsicherheit war so stark, dass ich fast mehr mit meiner möglichen Außenwirkung beschäftigt war als mit dem Zu-Sich-Kommen. So flüchtete ich mich in den alten Dom – huch, unangenehme Assoziationen mit Christentum, Verurteilung und Patriarchat – aber tief unten in der Krypta, die ruhig noch etwas dunkler gewesen sein könnte, schien ich den besten Ort gefunden zu haben, der mir einfiel. Unter niedrigem Gewölbe auf kühlem Steinboden zwischen den schlichten, alten Mauern zu sitzen, tat gut. Ich spürte, dass es meine Sehnsucht war, mich irgendwie in eine Höhle ins Innere der Erde zu verkriechen. Irgendwohin, wo es still, dunkel und leer ist. Das Bedürfnis habe ich immer noch, und dieser Ausbruch hat meine Probleme nicht gelöst, denn wenig später brach ich einen gigantischen Streit vom Zaun, nur um festzustellen, dass ich einen Kieselstein zum Anlass genommen hatte, um in meine eigene tiefste Grube zu springen. Dieser dunkle Ort, an dem ich nur spüre, dass ich Nichts bin, Müll, Dreck, lebensuntauglich, Ausschussware, Mängelversion.

Am nächsten Morgen wählte ich die Nummer einer Psychotherapeutin – im Urlaub – und eine Woche noch die einer anderen – Warteliste, aber immerhin, ein Schritt ist getan. Ich versuche, mich langsam wieder an meinen Körper heranzutasten, der immer noch taub ist, es ist frustrierend, und hinzuspüren, was auch mein Inneres brauchen könnte. Da allerdings werde ich Hilfe benötigen, denn auf jedes zarte Bedürfnis hin meldet sich laut diese barsche, innere Stimme: „Was bildest Du Dir ein? Was denkst Du eigentlich, wer Du bist! Unverschämt, gierig, egoistisch, Du spinnst wohl!“ Es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Der Verstand kann da nichts ausrichten, mal sehen…

So gesehen fassen sich die letzten Monate zusammen in: Sich nicht kennen, sich vorsichtig kennenlernen, das Entdeckte verurteilen, sich das Echte nicht zugestehen, zurückweichen, verdrängen, ablenken, überessen, zusammenbrechen, noch einmal von Vorn.

Liebe Dich, dann lieb‘ ich Dich

Gerade weiß ich nicht, wo mir der Kopf steht. Und wo der Körper. Ich lebe so vor mich hin, funktioniere, koche, putze, wasche, räume auf und vor allem, versorge die Kinder, aber bin die meiste Zeit unterschwellig frustriert und unausgeglichen ohne zu wissen, was ich genau tun muss, um das zu ändern. Dazu kommt, oder vielleicht ist das auch einer der Gründe, dass bei uns ein Umzug ansteht, der aber nicht sicher ist. Nun stehen wir davor, an fünf Schlachtfeldern organisieren zu müssen (Arbeit, Schule, Wohnung, Kindergarten, Uni, in dieser Reihenfolge, schätze ich), ohne zu wissen, ob das was wird. Eine absolut ober-ätzende Schwebesituation. Und alles nur wegen meinem Bauchgefühl, das meinte, diesen Umzug machen zu müssen. Wenn ich nur wüsste, was richtig und falsch ist, und dann nicht permanent so eine Angst hätte, dass rechts doch links ist und umgekehrt.

Mein Mann arbeitet gerade Nachtschichten, was ihm wirklich nicht gut tut: er schläft permanent zu wenig, weil man mit drei kleinen Kindern tagsüber eben nicht so wirklich in Ruhe schlafen kann und man auch noch etwas vom Tag haben will. Wenn er wach ist, ist er müde und schlecht gelaunt, und seine ganze Freizeit, die (wie meine auch), in der Nacht stattfand, wenn die Kinder schlafen, ist nun von Arbeit belegt. Sex hat daher ein kurzer, effizienter Vorgang zu sein, um was auch immer zu tun, erfolgreich muss es jedenfalls sein. Und erfolgreich bedeutet für ihn nicht: herumliegen, sich in die Augen schauen, sich ineinander spüren, sich nahe kommen (was ist das?). Sondern: vorbereitendes Greifen, rein-raus³, kommen, duschen, zum Alltagsgeschehen übergehen. Ich fühle mich dabei immer mehr wie eine Art Werkzeug, eine Unterlage. Und weiß doch nicht, was ich dagegen tun kann. Heute fragte ich ihn, ob wir ein bisschen nackt beieinander liegen und uns in die Augen sehen könnten. Sein Blick schien so kühl, so fern, nichts von Symphatie oder gar Liebe, dass ich schliesslich doch wegsah, und damit meinen Blick als übliches „Ablaufhindernis“ aus dem Weg räumte. Aber ich kann doch nicht einfach fragen „liebst Du mich noch?“ So eine blöde, unter Druck setzende Frage! Und dennoch… Da kam mir auch der Gedanke, dass vielleicht dies der Unterschied zu dem guten Sex der Anfangszeit war – die Verliebtheit, wie er mich ansah… dass ich mich von ihm geliebt fühlte. Vielleicht macht mein Körper deswegen dicht? Irgendwo habe ich ein Sprichwort gelesen:

Wer meine Seele nicht liebt, ist meines Körpers nicht wert

So oder so ähnlich ging das. Nun, Liebe kann ich nicht einfordern. Sex könnte ich unter diesen Umständen verweigern, aber wäre das nicht der Anfang vom Ende?

Ein anderer Aspekt ist, dass mein Mann einmal in einem Nebensatz irgendwo erwähnte, „wie denn, wenn du dich selber nicht liebst“… Ja, Selbsthass ist meine große Stärke gewesen, und ist es noch. Vielleicht ist das der Wegweiser, aber ich habe noch keinen Schimmer, wie ich auf diesen Weg komme.

Wegweiser deshalb, weil mein Mann vor zwei, drei Jahren einmal komplett die Lust an mir verloren hat. Er schlief ab und an mit mir, allerdings immer seltener, besonders nach der Geburt des letzten Babies, und berührte mich so gut wie nie. Ich dagegen war total hungrig nach Berührung und Sex, und völlig am Verzweifeln. Wenn ich ihn fragte, was los ist, wich mir mein Mann immer aus, das machte mich wahnsinnig! Ich spürte genau, dass etwas nicht stimmt, er dagegen behauptete steif und fest, dass alles ganz normal sei, dass er nunmal kein notgeiler Bock sei, und dass ich mir alles nur einbilde. Eines schönen Tages, letztes Jahr im März oder April, quälte ich ihn so lange mit meinen Nachfragen und meinem Gejammer, dass er begann, mit dem Problem herauszurücken. Das Ganze ist eine lange Geschichte voller Schmerz, aber auch Aha’s, die irgendwann einen eigenen Post bekommt. Jedenfalls lag der Hund darin begraben, dass er mich nicht mehr attraktiv fand und sich wünschte, ich würde mich mehr pflegen. Nach langem Schock, nach Wut und Trauer und mehreren Wochen auf einer Matratze im Kinderzimmer, begann ich mich zurückzuziehen und die (Natur)Kosmetik, das regelmäßige Schwimmen und Youtube-Fitnessvideos für mich zu entdecken, was ziemlich schnell Wirkung zeigte. Und siehe da, mein Mann hatte wieder Lust auf mich, und das auch wieder sehr oft. Eine Zeit lang war alles gut, bis dann ich meine Lust verlor. Als ob wir Treppen stiegen, und wenn er gerade eine Stufe erklommen hat, ich bereits wieder den nächsten Schritt beginne und wir uns selten gemeinsam bewegten… Warum ich das erzähle – weil ich zeitlebens meinen Körper gehasst, verachtet, ihn kritisiert, argwöhnisch betrachtet, ihn zerschnitten, aufgekratzt habe und das Waschen die einzige Zuwendung war, die er überhaupt bekommen hat, dies aber negativ im Sinne von „den Dreck abbürsten“. Erst, als ich meinen Körper langsam lieben lernte, konnte mein Mann das auch wieder.

Jetzt bin, so scheint es, Ich an der Reihe. Nur hier hilft kein Schwimmen, kein Ölen, ein Baden… Ich habe so eine Ahnung, dass es nun um mich geht, um meine Zufriedenheit und mein „Atmen“, dass ich dafür sorge, dass ich auch das tun kann, was ich kann und liebe, und mich nicht permanent aufopfere, um stets vergeblich, stets unvollkommen, nie genug, meine tausend Pflichten zu erledigen. Liebt man einen unzufriedenen Menschen? Anfangs vielleicht, doch auf Dauer? Hier jedoch stehe ich vor der großen Mauer aus schlechtem Gewissen. Habe ich das Recht, Zeit für mich allein zu organisieren, noch nicht einmal Zeit für’s Lernen und Studieren, sondern nur, um diese unsichtbaren, nutzlosen Dinge zu tun, die mir liegen und die ich so gerne tue – Klavier Spielen, Schreiben, Lesen, Tanzen…? Ich fühle mich so unfassbar egoistisch dabei, dass ich eher einen Nervenzusammenbruch erleide oder meinen Frust an meinem Mann auslasse, als ihn im Vorfeld zu bitten, einmal mit den Kindern ohne mich nach draußen zu gehen. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Und ich habe Angst vor dem Risiko, dass mein Mann mich wegen meines potenziellen Egoismus verlassen könnte, und – wenn ich nichts unternehme – wegen meiner permanenten Unzufriedenheit die Liebe komplett verliert und mich ebenfalls verlässt. Und wenn er mich verlassen würde, würde ich alleine als Nonne enden und auf der Strasse auf einem Karton sterben… Jaja, so malt sich das mein Unterbewusstsein aus.

Wenn ich so überfliege, was ich geschrieben habe, komme ich mir vor wie dieser Esel, der an einem aufgebundenen Stab eine Möhre baumeln hat, die ihn immer weiter laufen lässt (ohne, dass er sie jemals mit dem Maul erwischen könnte), und in meinem Fall ist diese Möhre Sex. Ja, Sex ist mir so wichtig! Aber auch dazu ein anderes Mal, und nun Gute Nacht!

P.S. Aber… vielleicht hat das lange in die Augen sehen dazu beigetragen, dass ich heute keine Schmerzen hatte.

Du, mein Blut, was hast Du mir zu sagen?

Über einen Gastartikel der Menstruationsbegleiterin Kathrin Sieder auf dem wirklich empfehlenswerten Elternblog Krachbumm bin ich auf so eine kleine Goldader über das Thema Menstruation gestossen, das mich, wie ich schon geschrieben habe, schon etwas länger beschäftigt. Im Zuge dessen habe ich die Seite einer ebenfalls auf diesem Gebiet engagierten Frau namens Gabriele Pröll entdeckt und mir zwei ihrer Bücher gekauft, eines mit dem Titel „Die „glückliche“ Gebärmutter. Innere Bilder – selbstheilende Kraft bei Unterbauchbeschwerden“, das andere „Das Geheimnis der Menstruation. Kraft und Weisheit des Mondzklus“. Vor allem das zweite Buch hat es mir angetan. Auf solche Informationen und Anstösse habe ich gewartet :-). Darin geht es – vielleicht für manch einen zu esoterisch – um die Bedeutung der Periode von der vorchristlichen Zeit bis heute, mögliche Rituale und Ansätze zur Verbesserung oder Ergründung der Regelbeschwerden. Der Grundtenor lautet eigentlich: beobachten, spüren, lauschen… Davon noch einmal so richtig inspiriert, habe ich während dieser Periode versucht, etwas genauer aufzupassen, was sich so alles tut, und will das hier einmal aufschreiben. Ich bin schon gespannt, ob es nächstes Mal anders ist, ob etwas Neues kommt, ob sich etwas verändert hat. Dieses Mal ist mir vor allem Folgendes aufgefallen:

1) Mehrere Heultage kurz vor bis zum  Beginn der Periode, hier mehr dazu. Am zweiten Tag der Blutung hatte ich auch noch irgendwie mit dem Thema Eifersucht zu tun, was ich aber ganz gut in den Griff kriegen konnte. Ich freue mich richtig, dass es mir ausnahmsweise einmal gelungen ist, bevor mein Mann das mitbekommen hat, innerlich Stop zu sagen und mir ein bisschen Zeit für mich allein zu verschaffen, um dann festzustellen, dass das wie immer das gute alte Selbstwertgefühl, das nicht oder gering vorhandene, ausgelöst hat. Ich weiß zwar noch nicht, wie das besser werden soll, aber einfach Weinen hat geholfen und ich konnte danach wieder gelassener sein.

2) Heißhunger, wenige Tage vor der Periode und bis ca. zum dritten, vierten Tag. Hunger wird wohl das falsche Wort sein, satt war ich sehr wohl, aber nicht zufrieden, ergo  habe ich gegessen und gegessen und gegessen, voller falsch verstandenem Appettit. Heute, am vierten Tag, ist es deutlich besser geworden. Entweder war das das ebenfalls hochgespülte Minderwertigkeitsgefühl, oder die Tatsache, dass ich in der Woche so gut wie keine Zeit für mich gehabt hatte. Entweder war ich abends eingeschlafen, oder es gab noch anderes zu erledigen. Das gibt es eigentlich immer, aber jetzt gerade nehme ich mir diese Zeit, vorher nicht.

3) An den Tagen vor der Periode überhaupt keine und an den ersten Tagen der Blutung große, große Lust auf Sex. Allerdings nicht nur die Lust auf Sex, sondern auch die Lust auf die Lust und die Trauer um die verlorene Lust. Eigentlich hatte ich Lust auf etwas, von dem ich sowieso wusste, dass es so momentan nicht funktioniert, und trotzdem „überredete“ ich meinen Mann zu einer Runde. Überreden heißt – Blasen, und weitermachen ;-). Das war jedenfalls ein Fehler. Erstens spürte ich wieder nichts, und zweitens spürte ich nicht nur nichts, sondern zudem seinen gut verheimlichten Ekel vor dem Blut, und das führte dazu, dass ich mich komplett abgelehnt fühlte. Jaja, selbst schuld, erst etwas fordern, was das Gegenüber nicht gerne tut, und sich dann über die mangelnde Leidenschaft bei der Ausführung beklagen. Wie diese Männer auf den Freier- und Rotlichtforen, die sich über lustlose Prostituierte beschweren. Ja, ich sehe es schon, ich bin in dieser Beziehung nicht die Einzige, die nicht Nein sagen kann ;).

4) Gabriele Pröll schreibt, dass zwischen dem weiblichen Zyklus und dem Mondzyklus ein Zusammenhang bestünde. Die Dauer sei in etwa gleich, und in weniger ‚elektrifizierten‘ Kulturen menstruierten die Frauen meist bei Neumond. Aus Neugierde habe ich den Mondkalender nachgeschlagen und belustigt festgestellt, dass ich die letzten beiden Male ebenfalls um Neumond herum geblutet habe und meine Freundinnen anscheinend ebenso.

5) Ein merkwürdiger Traum. Am dritten Tag, als die Blutung stark war, hatte ich einen intensiven Traum von einer Freundin meiner Schwester, die ich kaum kenne. Ich habe sie zwei, drei Mal gesehen, das letzte Mal vielleicht vor einem Jahr, und, obwohl wir uns gut verstanden haben, keinen Kontakt zu ihr gehabt. In dem Traum geschah noch mehr, aber vor allem blieb mir in Erinnerung, dass ich diese Freundin neben mir sah, völlig verzweifelt, mit aufgedunsenem Gesicht und unter Drogen stehend (ok, so habe ich das geträumt, keine Ahnung, wie das mit Drogen wirklich ist). Als erster Reflex nach dem Aufwachen griff ich zu meinem Hand und schrieb ihr über Facebook eine Nachricht, wie es ihr gehe. Sie antwortete mir nur kurz später, dass es bei ihr gerade ziemlich düster aussehe, und sie sich in wenigen Tagen wegen andauernder Verzweiflung am Leben und Selbstmordgedanken in eine psychatrische Tagesklinik begeben wird. Ich hoffe, ich habe richtig reagiert…

6) Ganz allgemein, wie beim letzten Mal: am ersten Tag schwache Blutung, die folgenden zwei bis drei Tage sehr stark, und dann wieder deutlich schwächer, nach fünf bis sieben Tagen auslaufend.

7) Etwas in mir hat sich gerade an den stark blutenden Tagen, obwohl mir manche Probleme so bewusst geworden sind, sehr stark und sicher gefühlt. Dieses Gefühl ist mir neu. Abwarten…

8) Ich bevorzuge Binden statt Tampons, zumindest in der Nacht. Einmal habe ich wieder ein Tampon probiert, und ich bekam das Gefühl, das ganze Blut läuft mir zurück in den Bauch, es gluckerte richtig. Gruselig! Richtig ungut hat sich das angefühlt, dieses Zugestöpselt-Sein. Da halte ich es lieber mit den Chinesen, die über Körperflüssigkeiten so etwas in der Art: „Was raus will, muss raus“ sagen. Außerdem habe ich mir superteure Binden aus dem Biosupermarkt gekauft, weil ich dieses chemische, feucht-stickige Windelgefühl so weit es geht vermeiden wollte. Jetzt tut mir mein kleiner Sohn richtig leid, der dieses Feuchtstickige seiner Windeln jeden Tag rund um die Uhr ertragen muss. Ich wollte eigentlich einmal diese Menstruationscups ausprobieren, aber jetzt bin ich mir unsicher, wie es da aussieht mit dem ‚Zugestöpselt-Sein’…

9) Der Anblick des Blutes hat mir richtig gut gefallen. Vor allem, wenn ich auf der Toilette sass, und das das Blut in schweren Tropfen in die Wasserschüssel tropfte, das Dunkelrot darin ausfranste und sich im Wasser verflüchtigte… Zum Sichtbarmachen des Blutes fällt mir die Aktion der Australierin Casey Jenkins „Casting Off My Womb“ ein, die über die Dauer eines Monats einen Schal aus Wolle, die sie in ihrer Vagina hielt, strickte. Für meinen Geschmack hätte das Ergebnis gereicht, das allerdings gefällt mir wirklich gut, wie an den Farbabstufungen des Schals die Periode sichtbar wird.

Soweit, so gut…

‚Schlechter Sex‘ – Den Mund nicht aufzumachen, kostet extra.

Wie bloss, wie habe ich diesen Sex der ersten Jahre so unbeschadet geniessen können? Das frage ich mich langsam ernsthaft. Diese Zeit wird mir immer mehr zum Rätsel. Zwei-, drei-, manchmal bis zu achtmal täglich vögelten mein Freund und ich an allen erdenklichen Orten, und es war immer wunderschön, manchmal sogar zum Heulen schön. Vor allem aber war es immer wild, schnell und stundenlang. Heute dagegen tut mir jedesmal hinterher alles weh, alles fühlt sich wund und aufgescheuert an, so dass ich mich oft danach fast nicht mehr zur Toilette traue. Ich kann genau spüren, wie mein Mann über Reibung ‚arbeitet‘ (ja, das ist traurig, dieses Wort), und zwar über maximale Reibung. Und das, vielleicht von den Augen mal abgesehen, in meinem zartesten, empfindlichsten Körperteil überhaupt. Kein Wunder, dass das weh tut! Und dennoch: die ganze Zeit über fragt er mich: „Ist das gut?“, „Tut das weh?“, „Soll ich langsamer machen?“. Und jedesmal sage ich nichts oder schüttle den Kopf. Mache weiter, ermutige ihn zu schneller, härter, obwohl ich nichts spüre als Schmerz und Anstrengung, nur damit es bald vorbei ist. Bescheuert, nicht? Ich treibe mich selbst zu einem dieser absolut oberflächlichen, leeren Orgasmen, die nach einem Sekundenbruchteil wieder verhallt sind, nur um, ja wozu? Ich habe in letzter Zeit sehr deutlich das Gefühl, die Zeit der halben Sachen, des ‚ein bisschen probieren’s ist definitiv vorbei. Ich muss mich entscheiden zwischen

a) das alte Spiel weiterspielen, und zwar von vorne bis hinten, zuzüglich der Schauspielerei, die das erfordert, denn die alte Lust ist gegangen, man weiß nicht, wohin, man weint viel deswegen. Schauspielerei liegt mir gar nicht, und Sportlichkeit ist ebenso erforderlich. Weiter, schneller, müder, schmerzhafter, immerhin das Stöhnen kommt so von ganz allein. Meine Vulvina wird trotzdem relativ schnell feucht, sie hat ihr Eigenleben, das ich nicht durchschaue. Vielleicht, um sich noch ein bisschen zu schützen, solange ich das nicht kann. Ganz das alte Spiel ist es natürlich sicherlich aufgrund der drei Geburten auch nicht mehr, nicht umsonst sucht mein Mann immer stärker nach für mich schmerzhaften, reibungserzeugenden Stellen. Ich fürchte mich davor, das auszuschreiben, aber vermutlich bin ich auch weiter geworden. Uahhhhh T______T! Da flüstert es schon wieder „Du bist zwar noch keine Dreissig, aber dank Hängebusen, Schrumpelbauchnabel und ausgeleierter F.. schon dermaßen zum in die Tonne treten!“. Eines Tages erwische ich diese Stimme, und dann… Ja, um das alte Spiel weiterzuspielen, braucht es also lauter Dinge, die mir und meiner Beziehung nicht gut tun. Dennoch: ich kann den großen Zusammenbruch hinauszögern. Manche Frauen können das sehr lange, aber meine Beziehung ist etwas empfindlich. Dennoch, ich muss nichts zugeben, muss mit meinem Eingeständnis meinen Mann nicht verletzen, er würde noch nicht wütend werden, ich habe noch Ruhe, noch halbwegs Harmonie…

b) der große Zusammenbruch. Der große Zusammenbruch ist das Eingeständnis, dass da Nichts ist, dass ich nichts spüre, dass ich auch nichts spüre, wenn wir mal von Zeit zu Zeit in ungefährlichen Dosen langsamer machen. Dass ich nicht nur nicht weiß, was mir nicht gut tut oder nichts gibt, sondern nicht einmal die typische Frage meines Mannes beantworten könnte: „Wenn nicht das, was dann?“ „Sag mir, was du willst, und ich mache alles, was du willst.“ Wenn ich bloß wüsste, was ich bräuchte, was ich will? Ich will eigentlich nur eines – dass es wieder so schön wird wie am Anfang, dass ich wieder Lust empfinde bei jedem Millimeter, dass ich mich meinem Mann wieder nahe fühlen kann, dass er mich wieder an Orte versetzen kann, zu denen ich alleine nicht kommen könnte… Und weil ich keinen blassen Schimmer habe, wie ich dahin kommen soll, weil ich darüber todtraurig bin, und mein Mann meine Ratlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Trauer nicht erträgt und darüber verletzt (Ich will & kann dich doch glücklichmachen, ich kann doch sonst alles, soll ich jetzt etwa wegen dir ein Versager sein? So oder so ähnlich wird er fühlen.) und unendlich wütend wird. Außerdem stellt er dann gerne die totale Sinnfrage, ob es sich überhaupt noch lohnt, zusammen zu sein, was mich dann wiederum unendlich traurig macht. Alles scheißtraurig, das.

Ich spüre genau – a) tut nicht gut und ist eine Lüge, b) wird scheußlich unangenehm und gefährlich wie trübes Fahrwasser, vielleicht laufen wir auf. Ich weiß nicht, wie lange noch meine Angst, alles zu verlieren, größer bleibt als der Schmerz und die fehlende Nähe. Ich habe einfach nur Angst. Und so sage ich weiterhin nichts, und kaufe mir eine Salbe.