Update Teil 2: Fühlen

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Bild via http://www.rhetorik sturm.de

Im Februar war ich allein in der Hauptstadt bei Verwandten gewesen, das erste Mal ohne Kinder verreist seit zehn Jahren… Es war nur für wenige Tage, aber die hatten es in sich! Ich genoß die Freiheit, selbst zu entscheiden, auszuschlafen, in Ruhe ins Bad zu gehen, vor dem Frühstück noch Tee zu trinken, mir zu überlegen, was ich tun wollte: Gemälde gucken gehen bis zur Erschöpfung, in Läden stöbern, in meine neues, wunderschönes, weiches, simples Muji-Tagebuch schreiben 😉 *Papierfetischist*, nach Herzenslust lesen, Tanzen gehen, mich in Ruhe und doch mit Feuereifer mit meinem Bruder über Politik, Gott und die Welt unterhalten – zuhause habe ich da keinen solchen Ansprechpartner, kurz – alles das zu tun, was ich gerne tue bzw. tat bevor ich die Kontrolle über mein Leben verlor Mutter wurde. Ich weiß: eines Tages werde ich die Kinder bei mir vermissen, ihre Fröhlichkeit, ihren Lärm, ihre Unordnung, das Kleckern, Plappern, Streiten und so weiter, wenn sie groß, ernst geworden und ausgezogen sind. Ich sollte das alles zu schätzen wissen. Und dennoch… war ich so ein Mensch, der seine Zeit am liebsten allein verbrachte, mit zeichnen, denken, Texte/Tagebuch/Briefe schreiben, Klavier spielen, Musik hören, Kunst und Mode zu gucken… – solange ich da keine Balance gefunden habe, ist das Muttersein als (nicht honorierter, fast völlig allein getragener) Vollzeitjob für mich mit soviel Selbstaufgabe verbunden, dass es mir genau deswegen schwer fällt, eine gute Mutter zu sein, anstelle einer genervten, frustrierten, ungerechten, verletzenden Furie. Das ist mir in diesen Tagen ganz deutlich bewusst geworden. Am deutlichsten hat sich mein Glück darin gezeigt, dass ich das erste Mal, seit ich denken kann, KEINEN Hunger hatte.! Hätte ich mir nie vorstellen können! Ich, der ich vom ersten Augenaufschlag am Morgen bis spät in die Nacht essen musste, kam mit einem Salat, Obst und einem kleinen Abendessen über die Runden, und habe fast keinen Gedanken an das ganze Thema überhaupt verschwendet. Unvorstellbar für mich… Das war so ein Ausrufezeichen: „Du MUSST für dich sorgen!“ Wegen allem. Den Kindern zuliebe, meinem Körper zuliebe, mir zuliebe – aber auch meinem Mann zuliebe.

Am vorletzten Tag nämlich schleppte man mich in eine FKK-Therme. Ohgottogott. Wärmstens empfohlen, voller Begeisterung, wurde mir das. Ich liebe Wasser und ganz besonders warmes Wasser, Baden und Schwimmen gleichermaßen, und ich habe auch in den letzten Monaten beim Schwimmen beobachtet, dass ich – um’s Fühlen bemüht anstatt die Gedanken weiterkreisen zu lassen und Bahnen zu zählen – vom Bikini bedeckte Körperteile nicht spüren kann während des Schwimmens. Ich hätte das schon gerne ohne ausprobiert, aber… naja, eben alleine, unbeobachtet. Dort allerdings, in dieser Therme, spazierten die Nackten herum, als wenn es das Natürlichste auf der Welt wäre (ja, ich weiß schon) und ich merkte: nun muss ich auch blankziehen. Panik. P a n i k . Natürlich guckten die. Natürlich… Ich habe, bis vielleicht auf die Geburten, seit meiner Volljährigkeit  nicht mehr so extreme Gefühle empfunden: Einerseits unendliche Panik und Angst vor den Männern dort. Als würden sie mit ihren Blicken in mich eindringen, mein Innerstes betreten, mich erniedrigen, vernichten und auflösen. Und auf der anderen Seite flammenden Zorn und brennenden Hass. „Ihr habt kein Recht darauf, mein Intimstes zu sehen, kein verdammtes Recht, ihr …….. “ Ich kann es nicht gut in Worte fassen. Ich hätte gleichzeitig mich in einen Panzer verkriechen und Splittermunition schießen wollen. In der Realität hatte ich aber nur die Wahl, die nächsten vier Stunden ohne Lesestoff alleine aber sicher im Handtuch zu verbringen oder eben das Ding runterzunehmen und ins Wasser zu steigen. Ich überwand mich und huschte ins Wasser, ängstlich darauf bedacht, niemandem zu nahe zu kommen. Dann legte sich langsam die Angst, die Wut, ich war halbwegs verborgen und sicher und ein wunderschönes Gefühl begann sich auszubreiten. Das nackt-im-warmen-Wasser sein ist einfach herrlich, aber dazu kam noch etwas anderes. Langsam kehrte in meinen ganzen Körper Leben ein, selbst in die Brüste, die sonst gefühlt gar nicht existieren. Es war wunderschön, diese Berührungen, wie das Wasser die Haut streichelt beim Schwimmen, wie die Beinen aneinander streichen beim Gehen… Irgendwie kam es dazu, dass ich gegen Ende des Aufenthalts weder Wut noch Angst verspürte, sondern ein unbeschreiblich schönes Gefühl, das sagte: Ich bin genau richtig, ich bin eine junge Frau und schön, schaut nur, wenn ihr Lust habt, und ich fühle mich guuuuut. Schön! Ich, mit meinen schlaffen Brüsten, dem schrumpeligen Bauch, den Reiterhosen… Dass ich mich so einfach als ok empfand, das war auch ein erstes Mal für mich. Dieses ganze lebendige, prickelnde Gefühl, von oben bis unten, von den Haar- bis in die Fußspitzen lebendig zu sein, und in einem Frauenkörper zu wohnen – dieses Gefühl hielt an, bis ich zwei Tage später nach Hause kam. Ich spürte fast so etwas wie einen Magnetismus zwischen mir und Männern, ohne, dass ich etwas brauchte oder wollte, es war einfach da und ich war völlig zufrieden so. Als ich in der Nacht danach in einem Club einer Frau sagte, dass es Spass mache, ihr beim Tanzen zuzusehen, weil sie einfach so sinnlich, glücklich und weggetreten tanzte, küsste sie mich – ups! Ich liess mich darauf ein, irgendwie… war das sehr schön, aber anders, es fühlte sich freundschaftlich an von meiner Seite aus, liebevoll, aber nicht so unter Spannung wie mit einem Mann. Ich maß dem keine große Bedeutung bei, aber jetzt denke ich, dass das vielleicht auch mit diesem tollen Gefühl seit der Therme zu tun hatte. Zuhause angekommen schlief ich mit meinem Mann, und am Anfang war alles fast wie in unserer Anfangszeit. Alles prickelt, alles ist lebendig, aber fast sofort begann mich eine Menge so unheimlich zu stören, wie es mich noch nie gestört hatte: dass er viel zu routiniert, zu grob, zu schnell vorging. Die paar Handgriffe, um sich endlich dem Gebiet zwischen den Beinen zuwenden zu können, hatten so etwas Liebloses, neugierdeloses… Ich hätte in jeder Sekunde „Halt! Stopp! So nicht!“ schreien mögen. Zuerst versuchte ich, seine Hände zu lenken, aber mein Mann ist unbeirrbar. Vielleicht hätte ich etwas sagen müssen. Wie aber etwas sagen, ohne ihn zu verletzen, ohne alles kaputtzumachen? Ich war zu mutlos, und liess ihn weitermachen, machte mit, während sich in mir alles wieder verschloss. Von diesem lebendigen Gefühl war am Ende nichts mehr übrig und seitdem ist es nicht mehr wiedergekehrt.

Es ist wohl so: mein lebendiges, zartes Körpergefühl gleicht einem scheuen Reh, und es zeigt sich nur unter besonderen Umständen, die zu schaffen, mir einfach nicht gelingen will. Komisch, dass es erst durch so eine Art Schocktherapie überhaupt aufgetaucht ist. Therapie von was? Was ist mein Problem mit Männern? Und warum ist meien emotionale Angst vor meinem Mann, mich mit meinen Gefühlen und Empfindungen vor ihm zu zeigen, anscheinend noch so viel größer als diese krasse Angst, meinen Körper vor den fremden Männern zu zeigen? Wenn ich nur hier auch so ins kalte Wasser springen könnte…

Und ich zermartere mir weiter das Hirn: wie schaffe ich hier bessere Bedingungen für mich? Was kann ich hierher hinüberretten? Zum Tanzen Ausgehen in meiner Stadt ist mal so richtig beschissen geworden, seit ich in Berlin war. Hier komme ich mir mit knapp dreissig vor wie ein Fossil, und die musikalische Auswahl ist einfach nur traurig. Zeit, auch ein Problem. Wie kriege ich mehr Zeit für mich? Und wenn ich für mich sorge, wird das für meinen Mann immer deutlicher, wie eigentlich schädlich, wie auslaugend und frustrierend sein Leben als Fabrikarbeiter ist. Wie wenig es auch Seines ist… Aber wie kommen wir da heraus? Aus dieser Mühle aus Geldnot/Arbeit/Pflichterfüllung/Selbstaufgabe/Druck/Druckablass/Erosion der Beziehung bzw. des Familienlebens…? Ich weiß einafch gerade nicht, wie, nur, dass muss, was muss. Ohne, dass wir uns trennen.

Denn seitdem haben unsere Streits deutlich zu genommen. Ich bin wütender, fordernder, klarer geworden. Ich will vieles nicht mehr auf mir sitzen lassen, den Tonfall, den ich mich nicht trauen würde, die Ermahnungen, die Agressionen. Ich sage, „ich möchte gern das und das machen“, anstelle von „dürfte könnte ich bitte, ginge es irgendwie, dass…“ Und nach den Streits, nach der Wut und nach allem, kam manchmal, tatsächlich, was es früher nie gab: ein Entschuldigung für die Worte, die Gesten etc…

Ein anderes Überbleibsel aus Berlin ist der Salat zum Frühstück. Irgendwas aus dem Garten: Löwenzahn, Rucola, Schafgarbe, Spitzwegerich, Melisse, Brennnessel… Gekauften Salat, vielleicht Tomaten und Gurken oder sogar Käse und Tuhnfisch dazu, immer aber Leinsamen und Sonnenblumenkerne oder Kürbiskerne, und viel Olivenöl drüber… Das hat lange funktioniert und mich bis nachmittags satt gehalten. Außerdem konnte ich mich bezwingen, nachts nichts mehr zu essen und mein eigenes, gesünderes Essen zu kochen als für den weißmehlliebenden Rest der Familie. Infolgedessen kam ich das erste mal seit einer autoaggressiven Hungerphase in der Teeniezeit auf ein Gewicht, mit dem ich mich wohlfühle und der Figur dazu. Juhu! Das ist für mich dieses Jahr so richtig toll gewesen. Ich sehe mir zwar immer noch sehr an und spüre es auch, dass meinem Körper immer noch eine Bewegung fehlt (die er liebt), aber die Rahmenbedingungen sind schon ganz andere.

Bis zum Sommer schien vieles bergauf zu gehen. Der Sommer aber geriet so, wie ich ihn schon seit der Teeniezeit kenne: heiß, mit lauen Nächten, aus allen Poren schreiend nach dem ganz gr0ßen Glück, nach Freiheit, nach Abheben, nach Genuß, nach Liebe… Und wie groß wieder der Kontrast! Erschwerend kamen dazu die Sommerferien, das heißt alle drei Kinder rund um die Uhr zuhause. Ich fühlte(fühle) mich so sehnsüchtig, so durstig, so vertrocknet, so eingesperrt, so angebunden und erstickt zuweilen, und unterschwellig wohl die ganze Zeit, denn ich habe wieder begonnen, ständig zu essen, ständig Zeit mit belangloser Leseablenkung zu verbringen, herumzuschreien, meine Haut aufzukratzen und so weiter und so fort. Da bin ich gerade also…

Ich weiß, dass es mir im Herbst besser gehen wird, wie schon immer in meinem Leben. Im Herbst, wenn sich alles wieder senkt, wenn ich mich einkuscheln darf und wenn die Welt wieder nüchterner wird, und das große Glück wieder nebensächlich. Wenn ich mich ins Dunkle, in die Erde verkriechen kann, in den Wald gehe, der Nebel aufsteigt, dies alles, und nicht versuche, an meinen inneren Ketten zu zerren, um endlich fliegen zu können. Ich weiß, wie kindisch das alles klingen mag, aber ich weiß auch, dass es für mich so stimmt, dass ich nicht mein ganzes Leben lang eingeigelt bleiben möchte, aber ich möchte auf dem Weg dahin nichts leichtsinnig zerstören, niemandem weh tun, und vor allem wahrscheinlich ganz egoistisch infolgedessen von niemandem verletzt/verlassen werden und das ist so schwer…

Wenn es so wäre: Im Sommer frei fliegen, im Herbst heimkehren und sich einkuscheln, Dinge bereinigen und den Winter verbringen, im Frühling wieder Dinge ordnen und sich losreissen.. – wenn es so wäre, so sein dürfte oder müsste – wäre das für meinen konservativen Mann jemals eine Option, mich so sein zu lassen? Hätten wir jemals so eine Chance? Es ist meine allergrößte Angst, dass der Mensch, der ich – mir noch verborgen – wirklich bin, von meinem Mann nicht anerkannt werden kann. Oder vielleicht sogar von niemandem. Dass ich immer einsam und frei, oder zusammen und verbogen leben muss. Nur entweder oder. Irgendwie ist es mein Traum, gleichzeitig frei und einem Ort treu sein zu können. Ich weiß es nicht… Das sind solche Sorgen von morgen, aber die Ängst sind heute schon da und sie werden mit jeder Selbstoffenbarung und jedem Schritt, mich vorsichtig zu öffnen, größer und stärker. Noch habe ich kleine Kinder, aber auch, wenn sie ausgezogen sein werden: ich will diesen Mann nicht verlieren. Ich weiß, dass es für ihn nur entweder mit ihm oder gegen ihn gibt. Noch?  Vielleicht hat er auch Angst? Ich habe keine Ahnung… Ich wünsche mir einfach, dass an meinem Lebensende alles gut wird und ich dann nicht voller Bedauern bin, wenn ich zurückschaue…

Update Teil 1: Sex

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So wie sich das für einen kleinen, unbedeutenden Blog gehört, musste es dieses sein: die viel zu lange Pause zwischen den Einträgen, von fast genau einem Jahr, um genau zu sein. Vielleicht finden sich dennoch Leser und – noch lieber – Schreiber bereichernder Kommentare.

Was hat sich getan in diesem ganzen Jahr?

Im Großen und Ganzen lässt sich die Entwicklung so beschreiben, dass das ganze Thema Sex und Fühlen zwar immer noch im Nebel liegt, doch zum Teil etwas näher gekommen und damit deutlicher zu erkennen ist.Das vage Nichts-Spüren beim Sex entpuppte sich als erstens physischer Schmerz bei der Penetration und zweitens deutlicher Einsamkeit fast die ganze Zeit, jeder ist für sich in seiner Welt, es besteht kein Kontakt.

Ich spüre deutlicher, was genau ich möchte und nicht möchte. Ich möchte alles langsamer, ich mag das Gefühl nicht, dass wir einem Plan folgen mit einem Ziel, dieses „um, zu…“ jeder Bewegung, die Lieblosigkeit von Berührungen, das Grobe. Ich wünsche mir Augenkontakt. Das findet mein Mann unangenehm. Ich wünsche mir ehrlich sein zueinander.

Da merke ich, dass auch ich dazu nicht beitrage. Zwar versuche ich mittlerweile, seine Hände zu lenken, ihn vorsichtig zu bremsen oder ihm an ihm Berührungen zu zeigen, die ich mir wünsche, mit mäßigem Erfolg, aber immer noch viel zu häufig sage ich keinen Mucks darüber, was bei mir Sache ist.

Die Gründe dafür sind zum einen, dass ich mir eigentlich ein bestimmtes Gefühl bei meinem Mann wünsche, von dem ausgehend er mich berührt. Eine Art liebevolle Zuwendung ohne ein Ziel oder diese Gier dahinter. Wie Kinderspiel, so zeitlos und präsent… Ich weiß nicht, wie ich ihm das erklären oder das von ihm verlangen soll. Je spürbar unbefriedigender unser (trotz allem mindestens wöchentlich stattfindendes) Sexleben geworden ist, desto größer ist auch diese Gier geworden, und das verstehe ich auch, aber dass man da fasten muss, um später satter zu werden – ohne ihm ein Beispiel zeigen zu können, einen Blick durch’s Schlüsselloch der fest verschlossenen Tür – das ist so schwer zu vermitteln. Der zweite Grund für mein Nichts-Sagen ist der viel wichtigere: meine Angst. Ich kann mit der Enttäuschung, dem Frust und der fast zwangsläufig daraus erwachsenden Wut meines Mannes immer noch wahnsinnig schlecht umgehen. Mein Mann nimmt alles, was nicht nach Plan verläuft in unserer Familie, höchstpersönlich (haha, ich auch, wenn ich so drüber nachdenke) und um sich dann wiederum davor zu schützen, muss ein Schuldiger gefunden werden (ich mache mich dann in solchen Fällen selbst fertig).  Das bin in diesem Falle ich. Wenn ich überhaupt von mir mitteile, dann hinterher, wenn ich das Gefühl habe, der ärgste Druck ist von ihm abgefallen und er reagiert vielleicht etwas gelassener. Obwohl es ihm dann im Nachhinein sein Erlebnis zunichte macht… Und als Letztes trieb mich in der Vergangenheit auch ein vielleicht nicht ganz so kleines bisschen auch dieses „ach komm, ein Minioberflächenorgasmus, der zwar nur einen Sekundenbruchteil dauert und jede Menge Anstrengung und Schmerz kostet – trotzdem besser als nichts, oder?“. Denn genau das ist es, was kommt, wenn ich in lichteren Momenten kompromissloser bin und von Anfang an bremse: Nichts. Nichts unangenehmes, aber auch sonst Nichts. Mein Verdacht ist, dass wir da durchmüssen. Eine Weile Wüste. „Waaas!? Noch mehr Wüste!?“ würde mein Mann da wahrscheinlich rufen.

Und da, wo alles immer unangenehmer wird, mein Mann immer frustrierter, immer weniger schöne Momente sich auftun, um unserer Beziehung mal wieder etwas Tankfüllung zu verschaffen für diese Wüstenstrecke, wo in Streits immer schneller von Trennung die Rede ist, meine Ängste mich manchmal fast umbringen – ausgerechnet da soll ich den Verzicht auf Orgasmus/Sex-im-herkömmlichen-Sinne durchsetzen? Etwas Altes abschaffen, ohne etwas Neues präsentieren zu können? Das ist so, ähm, unangenehm wie es klingt – nein, eigentlich noch mehr. Und da bin ich gerade dabei… Und, nachdem dieser Zustand sich seit gut fünf Jahren anbahnte, muss ich dem Ganzen hier jetzt wohl auch Zeit geben. H i l f e. Wie sehr wünsche ich mir oft, jemand nähme uns an die Hand und sagte uns, dass alles gut würde, dass wir das schaffen, dass wir auf dem richtigen Weg seien. Und am besten noch, was wir zu tun haben. Und zwar, ohne dass wir dafür das Vermögen zahlen müssen, das wir als Arbeiter/Studentenhaushalt nicht besitzen.

Es ist doch absurd: In dieser Zeit, wo die Menschheit alles kann, wo man für jede noch so unbekannte Zivilisationstechnik ein Tutorial auf Youtube oder eine Anleitung im Netz findet, wo über alles gesprochen wird und so vieles aus dem Schatten auf den Tisch gepackt und erzählt wird – in dieser Zeit gibt es vielleicht drei oder vier Namen, die auf diesem Gebiet „guter Sex in langen Beziehungen“ irgendeine Hoffnung vermitteln, und das zu horrenden Preisen. Hier gibt es nirgendwo etwas kostenlos. Bücher kosten nicht zehn, sondern 18 Euro, DVDs nicht 12, sondern mindestens 20. Beratung selbstverständlich nicht über Kasse, nicht für 80, sondern mehrere hundert Euro die Stunde. Und das für ein Problem, das ausnahmslos alle meine näheren weiblichen Bekannten und Freunde beschäftigt, von Trauer über Wut bis zur Resignation. Ich kenne niemanden, den ich fragen könnte, und mein Mann noch weniger, denn abgesehen von seinem einzigen Freund, der mit seiner Frau in derselben Situation steckt, spricht er sowieso mit niemandem darüber und bezeichnenderweise tun wir das auch nie zusammen mit anderen, als ob es unter Männern generell sowieso immer noch ungebrochene Pflicht sei, sich als Held, oder doch wenigstens schweigend von jeglichen Problemen unbefleckt zu inszenieren. Jedenfalls: dieses Thema ist DER Mangel in meinem Leben in Deutschland, in dem es mir sonst an nichts zu mangeln scheint. Hat denn außer diesen hochpreisigen Beratern niemand diese Glasdecke der Paarsexualität durchbrochen und davon berichtet?

Ok, das war eine längere Abschweifung, ein Gemecker, das ich schon lange loswerden wollte.

Nachdem das jetzt alles so negativ klingt, muss ich aber auch von einem Erlebnis berichten, dass mich für mich ganz allein ein bisschen durch die Wolkendecke hat blicken lassen, so kurz es auch währte. Außerdem habe ich mich auf anderem Gebiet voranbewegt, glaube ich. Das ist aber ein anderer Post, eher unter dem Thema „(Körper-)Gefühl“, den in den nächsten Tagen online stellen möchte.

Ein Bruch, Lichtung, kleine und größere Bettfreuden

Die letzten Tage und Wochen waren fürchterlich. Ich habe ja schon etwas dazu geschrieben, und mit Sicherheit ist es noch nicht vorbei. Ich weiß immer noch nicht, was los ist mit mir. So wie meine Haut im Moment aussieht: Pickel und Unreinheiten von Stirn bis Kinn, so ’not clear‘ bin auch ich im Ganzen. Wie ein schmutziger Tümpel mit trübem Wasser, so fühle ich mich gerade. Manchmal wache ich morgens auf und möchte weinen, ohne zu wissen warum. Oder ich bin genervt, unzufrieden und frustriert, weiß aber nicht was ich brauche. Die Anwesenheit meines Mannes, der gerade Urlaub hat, ist manchmal fast unerträglich für mich. Ich fühle mich dann ständig falsch, beobachtet und unter Druck. Dabei kommt das alles gar nicht von ihm; ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass das nur das unerträgliche Gefühl ist, mich im Spiegel zu sehen, so wie ich gerade bin/mich fühle.

Und weil ich so gar nicht in der Lage war, daran irgendetwas zu ändern – im Gegenteil – ich spürte, wie es von Tag zu Tag schlimmer wurde und noch zwei Wochen Urlaub meines Mannes sowie vier Wochen Schulferien mit allen Kindern zuhause bevorstehen, kam mir allem Anschein nach mein Körper auf seine gewohnt charmante Art zur Hilfe und liess mich gestern mit einem vollendeten Kracks mit dem Fuss gegen einen Türrahmen stossen, um mir über eine gebrochene Zehe irgendwie Einhalt zu gebieten. Ich kann einfach immer noch nicht sagen, dass ich gerne etwas Pause hätte und nicht ständig verfügbar/am Laufen/Hausarbeit erledigen möchte, fünf, sechs Stunden Zeit für mich vielleicht in der Woche. Mein schlechtes Gewissen bringt mich fast um, bevor ich so eine Bitte über die Lippen bringe. Hässlich, egoistisch, faul, fehl am Platz, unverantwortlich, gierig und anmaßend fühle ich mich bei diesem Wunsch, meinem übermächtigen Wunsch nach Alleinsein. Nun aber kamen aus dem Munde einer Autoritätsperson in Weiß die Worte „Schonen“ und „es ruhig angehen lassen“, danke vielmals dafür. Und selbst dann konnte ich es noch immer nicht: gestern lief ich wie jeden Tag bis spät nachts Hin und Her, mit Kindern, Wäsche, Kochen, dies holen, das wegbringen, wickeln, baden, und hatte abends einen heißen, geschwollenen Fuss und fühlte mich innerlich dreitausend Kilometer von mir, meinem Mann und den Kindern entfernt, und dementsprechend verhielt ich mich auch gegenüber ihnen. Dazu kam noch der gewaltige Frust, dass ich die letzten Wochen umsonst wegen den Nachtschichten meines Mannes auf’s Schwimmen gehen verzichtet hatte, weil das erhoffte Nachholen nichts wird, genauso wie das eventuelle Tanzen gehen, worauf ich mich monatelang gefreut hatte. Meine Laune war furchtbar.

Heute aber beschloss mein Mann, mit den Kindern das erste Mal alleine zum Schwimmen zu gehen, denn es lag auf der Hand, dass ich nicht mitgehen konnte, so dass ich knappe vier Stunden für mich alleine hatte und das auch noch zu meiner schon viel besseren Zeit – abends von halb fünf bis acht. Der Abend und die Nacht sind wirklich meine wertvollste Zeit, nie erlebe ich so intensiv, klar und tief, und nie bin ich so effektiv wie in diesen Stunden. Ich mag die Stimmungen des Abends und der Nacht, der Dämmerung und der Dunkelheit, das Morgengrauen dagegen hat seinen Namen meiner Meinung nach wirklich nicht umsonst ;-)…

Eigentlich hatte ich vorgehabt, irgendetwas in Richtung Meditieren zu unternehmen (was ich noch nie gemacht hatte und vielleicht gar nicht kann), dann aber atmete ich erst einmal auf und genoss ohne den mir ständig vorgehaltenen Spiegel meines inneren Richters die Freiheit der nächsten Stunden. Im Internet Klamotten zum Verkauf hochladen, Nagellack und Make-Up googeln, ein bisschen queerlesen. Die nächste Tasse Tee machen, etwas woran ich sonst nie denke, den Bildschirm ausschalten, im Licht der Dämmerung meine Papierstapel abarbeiten, Fingernägel in einem wunderschönen mattschwarz lackieren (oh, wie passt diese Farbe gerade! Und was für ein gutes Gefühl das ist, das Innere nach Außen sichtbar machen zu können…*),  Zeitungsschnipsel ausschneiden und einkleben – in das Mode/Stilfindeheft, das ‚Kunstguckheft‘, das Alltagsnotizbuch und Artikel oder Zitate, die mich aus irgendeinem Grunde berührt hatten, in mein Tagebuch. Darin flogen auch noch so allerlei Zettel und Ausdrucke herum, die ich endlich einkleben, kommentieren und damit ad acta legen konnte. Kurz bevor die ganze Bande zufrieden (ob der Entfernung von der unausstehlichen Mutter und Geliebten) und müde zuhause eintrudelte, konnte ich noch kurz Tagebuch schreiben und obwohl ich noch gut und gerne drei weitere Stunden so alleine vor mich hin ‚geklärt‘ hätte, war ich zum Abendbrot wieder einigermaßen Ich. Ich konnte wieder freundlich und gelassen sein, und war in der Lage ruhig und ohne entschuldigendes ‚ich bin  nur ein niedliches Mädchen-‚Lächeln meinem Mann zu sagen, dass es mir Leid tut, wie ich gerade bin, dass ich aber selbst nicht weiß, was gerade mit mir los ist und mich fühle wie mitten im Nebel, sogar dass ich eine Psychotherapeutin angerufen hatte, bei der ich nun auf der Warteliste stehe und viel Hoffnung da hinein setze.

Als mich mein Mann dann nachts bat, wie er es öfter tut, ihm einen zu blasen (suche noch nach einem schöneren, liebevolleren Wort dafür, Ideen?), fühlte ich nicht wie in letzter Zeit so oft dieses verzweifelte „Nein, ich hab doch gar nichts zu geben, ich brauche so viel für mich, wie kann ich jetzt  da mit ganzem Herzen etwas geben??“, sondern konnte ihm einfach sagen, dass ich das gern für ihn tun könne, von mir selbst allerdings nicht viel zu erwarten sei, da ich wie gesagt gerade ziemlich aus dem Gleichgewicht bin. Das sagte ich auch deswegen, weil mein Mann sich eigentlich nie bis zum Orgasmus lecken (hm, ist doch wohl eher saugen) lässt, sondern eigentlich immer zum Sex mit mir übergeht (stellt Euch vor, aber ich habe mich noch nie getraut, zu fragen, warum das so ist. Dabei haben wir 2015 und nicht 1955…), wobei ich dann wieder seine Erwartung spüre, dass es für mich schön sein soll. Und das ist für mich der schwierigste Teil, in den letzten Jahren bin ich zunehmend taub/gefühllos geworden und wusste mir keinen Rat. Naja, jedenfalls habe ich an ihm gespielt/gesaugt und geleckt, wobei ich auch wirklich bei ihm bleiben und mich auf jeden Zentimeter Haut konzentrieren konnte. Und irgendwie kam darüber ich in diese Stimmung, zu erspüren, was sich für ihn besonders erregend anfühlt, was dann wiederum mich selbst angemacht hat – in Maßen, aber immerhin. Irgendwann musste ich ständig schlucken und Luft holen wegen meinem Würgereiz, den ich nicht umlenken kann, und mein Mann zog mich auf die andere Seite und machte so weiter – und ich kann sagen, dass ich einen Hauch spürte… Juhu! 😉

Vor einigen Wochen, am Tag, bevor meine Periode viel zu früh einsetzte, hatte ich auch so ein Erlebnis. Oralsex bei ihm, der mich selbst richtig erregte und dann wirklich, wirklich intensiven Sex. Irgendwann konnte ich dann nicht mehr und verlor den Faden wieder, aber diese Stunde, die es so intensiv war, war so unendlich schön, wie hatte ich das vermisst! Doch habe ich das danach nicht mehr so hinbekommen. Ich frage mich, ob mein Mann das wirklich gar nicht mitkriegt, diesen Unterschied? Er sagt immer, dass es für ihn gut ist. Vielleicht genauso wie auch ich immer so mitmache, als ob ich etwas spürte,,, *schäm* Da sind wir uns wohl beide sehr ähnlich, falls er das auch sagt, weil er wie so oft, bei Problemen einfach leugnet und versucht, die Harmonie zu bewahren…

Ein Erlebnis etwas anderer Art war der Sex vor einigen Wochen, als ich mich mittendrin so nach Augenkontakt sehnte und ihn ansah und sich seine Reaktion total nach Ausweichen und ‚keine Liebe‘ anfühlte. Als ob seine Erregung nur erhalten bleiben könnte, wenn er mir nicht in die Augen und damit in meinen Charakter/meine Person sehen muss, sondern sich einfach an den Körper hält. Dieses Gefühl hat mich so traurig gemacht, aber statt es schnell der Spannung willen beiseite zu schieben, liess ich es bleiben und musste weinen, und da wurde es mit einem Mal ebenfalls intensiv, aber mehr auf eine schmerzvolle, aber verbundene, innige Art, als auf eine sexuelle, lustvolle. Früher musste ich beim Sex oft weinen, weil ich mich so berührt gefühlt hatte von meinem Mann/Freund, und das war lange nicht der Fall gewesen.

Wenn ich so darüber nachdenke, hilft mir also auf jeden Fall Ehrlichkeit und Klarheit in irgendeiner Form. Um das zu können, brauche ich aber Luft zum Atmen, Zeit für mich allein. Um die zu kriegen, muss ich das sagen können. Um das sagen zu können, muss ich fühlen, dass ich das sagen darf, dass ich meinen Wunsch verdient habe. Das kann ich noch nicht, dazu brauche ich Hilfe. Und zwar deutlich mehr Hilfe als die bereits unendlich tolle, immer wiederkehrende Aussage meines Mannes: „Sag mir, was Du brauchst/willst, ich sorge dafür!“ Man sollte meinen, dass das schon sehr viel ist, mehr als viele Frauen erleben. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich einfach riesengroßes Glück. Bei meiner inneren Einstellung (ich bin scheisse, ich bin egoistisch, ich habe nichts verdient auf dieser Welt, ich bin Dreck) hätte ich mindestens an einen Mann geraten können, dem alles egal ist, wenn nicht sogar an einen, der mich misshandelt. Mein Selbstbild läd fordert geradezu dazu auf, und tatsächlich habe ich manchmal Gewaltfantasien, wenn es mir schlecht geht. Aber nein, ich wurde mehr oder weniger ausgesucht von einem jungen Mann, der mir alle Möglichkeiten bietet, mich aufzufächern. Jetzt liegt es an mir…

Das Zweite in Bezug auf Sex ist diese  ~Überbrückung seiner Lust auf mich. Wenn ich spüre, was ihm Lust bereitet, spüre ich auch Lust. Nur aus mir Selbst kann ich das nicht. Das ist merkwürdig, irgendwie eine Prostituierteneigenschaft? 😉

*Das Innere nach Außen hin sichtbar machen: In meiner Teenagerzeit ging es mir ziemlich schlecht. Ich drehte mich im Kreis zwischen Selbsthass, dem Wunsch nach Selbstmord und dem Hass auf mich wegen meiner Unfähigkeit, Selbstmord zu begehen. Nicht zufällig ging ich in diesen Jahren in schwarz, hörte schwarze Musik, las düstere Bücher und verehrte dunkle, morbide Ästhetik aus vergangenen Zeiten. Ich wollte fast sagen, wurde ein Teil der schwarzen Szene, aber das stimmt nicht, denn selbst dort war ich wegen elternhausbeschränkter Kleidung, Weggehmöglichkeiten und mangelnder Coolness ein Alleingänger. Trotzdem hat mir das bestimmt rückblickend sehr geholfen. Heute denke ich manchmal, dass die lauten, provozierenden, auffällig gekleideten Jugendlichen wohl bei Problemen besser über die Runden kommen als die, die sich bis zur Vollendung an das gängige Hübsch/Nett/Harmonieprinzip anpassen. Irgendein Ventil braucht der Mensch, hm?

Schnickschnack: Hochsommer

Im Kontrast zu den eben beschriebenen Wogen steht eine ausgiebige Beschäftigung mit Kosmetik und dem Drumherum in den letzten Wochen. Auf dem Nageldesign-Blog Lackfein las ich von einer genial einfachen Technik, sich aus Nagellack Dekorationen zu basteln: Lack auf Verpackungsfolie auftragen, trocknen lassen, abziehen, zurechtschneiden (reissen in meinem Fall) und auf die lackierten Nägel pressen – fertig. Das hält bombenfest, ganz ohne Kleber, ich war hin und weg.

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Ich benutzte zu Dekorationszwecken einen Lack von Essie (türkis) und einen sanftblauen von Kiko, der sich aber fast gar nicht von der Folie ablösen liess. Auch bei dem Essie-Lack war es schwierig, daher für’s Erste nur gerissene Fetzen ;-). Ach ja, die Scheiß-Drauf-Mentalität, die sich einstellt, wenn man sich als Kleinkindmutter am Nägelmachen versucht, ist den Nägeln deutlich anzusehen, und dennoch – ich mochte es.

Sehr geärgert hat mich allerdings dies hier: dass Alverde ausgerechnet im Hochsommer zwei meiner Lieblingsprodukte auslistet. Beides sind Peelings, das eine die Heilerde Peelingmaske für’s Gesicht, die immer leicht nachbrannte, was sich im Hinblick auf die unreine Haut, gegen die es konzipiert war, super anfühlte, und das andere ein frisch duftendes Zitrone Rosmarin Cellulite Duschpeeling. Die Peelingmaske wurde ersetzt durch eine Heilerde-Waschcreme, die weder Abrieb noch Frische besitzt und sich total ineffektiv anfühlt. Das Duschpeeling hat überhaupt keinen Ersatz abgesehen von einer Lotion in ähnlicher Verpackung. Diese beiden Produkte habe ich ständig nachgekauft, und als ich dieses Mal damit losmarschiert bin, war der Frust wirklich groß, denn Ersatz scheint in der Preisklasse nicht in Sicht; dem neuen Lavera Peeling beispielsweise fehlt die Frische des Alverde Peelings. Dann also auf die Suche… Hmpf.

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Ebenfalls weniger erfreulich ist, dass Weleda meinem Eindruck nach die Zusammensetzung der Mandel-Gesichtspflege verändert hat. Die erst so heißgeliebte, dann nachgekaufte Tagescreme duftete auf einmal nicht mehr berauschend nach Mandel, sondern an erster Stelle nach billigem Sonnenblumenöl aus der Küche. Jetzt fristet sie ihr Dasein im Spiegelschrank, zu schade zum Wegwerfen zu benutzt zum Verschenken? Ähnlich geht es mir mit der Mandel-Reinigungsmilch, bei der ich allerdings den Verdacht habe, dass sie in den extremen Temperaturen der vergangenen Wochen umgekippt sein könnte.

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Als wahrscheinlich Eine der Letzten habe ich entdeckt, das TK Maxx zuweilen auch Naturkosmetik führt, darunter neben Cattier , deren dezente Düfte ich sehr mag, auch Marken aus Neuseeland, Großbritannien und Australien bei denen ich mir bezüglich des Naturkosmetikstatus nicht so sicher bin. Mit den INCI’s kenne ich mich nämlich noch nicht gut aus. Lange habe ich für meine Haare außer Shampoo gar nichts benutzt, mittlerweile versuche ich das leidige Thema (feine, dünne platte Haare) wieder mit Spülungen anzugehen. Bei TK Maxx erstand ich zu diesem Zweck den Conditioner with Argan Oil von By Nature from New Zealand. Kann bis jetzt keinen Unterschied zu meiner Standard Alverde Aufbauspülung erkennen. Mal sehen. Im Rahmen des Haarprojekts habe ich mir heute auch das erste Mal Zeit genommen für eine Packung neutrales Khadi Henna Senna/Cassia, mal sehen, wie sich die Haare morgen und in den nächsten Tagen hinsichtlich Volumen so machen. Wahrscheinlich werde ich das aber zu Testzwecken noch zwei- oder dreimal wiederholen, das grüne Matschvergnügen, das so herrlich nach Gras duftete.

Und zu guter Letzt, weil es so schön ist – eine Handvoll Lampionblumen, die meine Kinder unerlaubterweise gepflückt hatten, mit etwas Knöterich dazwischen – ich liebe einfach Orange mit Pink (nicht an mir, aber zum Anschauen) :-)!

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Sich verlieren und unsanft daran erinnert werden, Hitzewochen und heftiges Gewitter

Das fängt schon gut an, mit wochenlanger Abwesenheit.

Ich habe zwischen den Tagen den Faden oder vielleicht auch mich wieder völlig verloren. Meine schlechte Gewohnheit, zu viel, zu spät in der Nacht, zu oft und zu viel Süßes zu essen, hat sich in dieser Zeit der Selbstvergessenheit wieder eingeschlichen, während die gute Gewohnheit, zwei- bis dreimal die Woche Schwimmen zu gehen, durch das Einsetzen der monatlichen Periode unterbrochen wurde. Die ersten Monate waren noch aufregend und toll – wieviel ich spürte und beobachten konnte! Als kleiner Bonus lief die Periode auch noch mit dem Mondzyklus synchron, was ein tolles Gefühl! Doch dann fiel es mir zunehmend schwerer, mich mit mir selbst zu beschäftigen, wozu die Entdeckung und das Binge Watching einer Serie (OITNB, um genau zu sein) einen nicht unerheblichen Teil beitrugen, aber auch der hochsommerliche Freizeitstress und der Fakt, dass mich die Hitze zermürbte, in einen permanenten Slow Motion Modus versetzte. Der permanente, immer noch anhaltende Appetit deutet aber auch auf etwas anderes hin.

Irgendwann gipfelte das alles. In körperlicher Hinsicht so, dass ich plötzlich elf Tage zu früh zu bluten begann, altes, braunes, faseriges Blut, vier Tage lang. An dem Tag, an dem ich damit zu meiner Frauenärztin ging, weil ich mir absolut keinen Reim darauf machen konnte und mir von ihr einen Fingerzeig auf dem Weg zurück in meinen Körper erhoffte (vergeblich, das waren einfach diese unberechenbaren ‚Hormone’…) ging das Ganze in die Periode über, immer noch eine Woche zu früh. Und futsch war die Synchronizität.

In seelischer, oder geistiger Hinsicht brachten die vergangenen Wochen dann wunderbare Vulkanausbrüche mit sich. Wochenlang keine freie Zeit, Kinder von früh bis spät, und dann Ferien. Alle Kinder von Früh bis spät. Mein Mann arbeitete Nachtschichten und ich wagte es nicht, ihn um einen freien Nachmittag zu bitten. Selbstvernachlässigung in jeder Hinsicht bei gleichzeitiger Flucht in sinnlose Ablenkungen wie Mal-eben-Feeds auf dem Handy und die erwähnte Esserei. Und irgendwann reichte dann nur noch ein mal wieder Aufwachen in Tageskleidung, was bedeutete, dass ich meine Zeit-für-mich-Nacht‘ verschlafen hatte, um einen Tag in Tränen und Frust zu ertränken, so dass mir mein übermüdeter Mann fast aufdrängte, für ein paar Stunden allein zu sein, was ich dann voll schlechten Gewissens tat. Erst einmal Klavier spielen, danach war mir leichter, und dann suchte ich nach Musik, die meinem Bedürfnis entsprach, fand aber nichts und verliess die Wohnung in Richtung Innenstadt, auf der Suche nach einem Ort, der mich einhüllen und beruhigen könnte. In einem kleinen Gartenpark schrieb ich Tagebuch, gegen den Stress ankämpfend, den die Anwesenheit der anderen Besucher in mir auslöste. Meine altbekannte Unsicherheit war so stark, dass ich fast mehr mit meiner möglichen Außenwirkung beschäftigt war als mit dem Zu-Sich-Kommen. So flüchtete ich mich in den alten Dom – huch, unangenehme Assoziationen mit Christentum, Verurteilung und Patriarchat – aber tief unten in der Krypta, die ruhig noch etwas dunkler gewesen sein könnte, schien ich den besten Ort gefunden zu haben, der mir einfiel. Unter niedrigem Gewölbe auf kühlem Steinboden zwischen den schlichten, alten Mauern zu sitzen, tat gut. Ich spürte, dass es meine Sehnsucht war, mich irgendwie in eine Höhle ins Innere der Erde zu verkriechen. Irgendwohin, wo es still, dunkel und leer ist. Das Bedürfnis habe ich immer noch, und dieser Ausbruch hat meine Probleme nicht gelöst, denn wenig später brach ich einen gigantischen Streit vom Zaun, nur um festzustellen, dass ich einen Kieselstein zum Anlass genommen hatte, um in meine eigene tiefste Grube zu springen. Dieser dunkle Ort, an dem ich nur spüre, dass ich Nichts bin, Müll, Dreck, lebensuntauglich, Ausschussware, Mängelversion.

Am nächsten Morgen wählte ich die Nummer einer Psychotherapeutin – im Urlaub – und eine Woche noch die einer anderen – Warteliste, aber immerhin, ein Schritt ist getan. Ich versuche, mich langsam wieder an meinen Körper heranzutasten, der immer noch taub ist, es ist frustrierend, und hinzuspüren, was auch mein Inneres brauchen könnte. Da allerdings werde ich Hilfe benötigen, denn auf jedes zarte Bedürfnis hin meldet sich laut diese barsche, innere Stimme: „Was bildest Du Dir ein? Was denkst Du eigentlich, wer Du bist! Unverschämt, gierig, egoistisch, Du spinnst wohl!“ Es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Der Verstand kann da nichts ausrichten, mal sehen…

So gesehen fassen sich die letzten Monate zusammen in: Sich nicht kennen, sich vorsichtig kennenlernen, das Entdeckte verurteilen, sich das Echte nicht zugestehen, zurückweichen, verdrängen, ablenken, überessen, zusammenbrechen, noch einmal von Vorn.

Liebe Dich, dann lieb‘ ich Dich

Gerade weiß ich nicht, wo mir der Kopf steht. Und wo der Körper. Ich lebe so vor mich hin, funktioniere, koche, putze, wasche, räume auf und vor allem, versorge die Kinder, aber bin die meiste Zeit unterschwellig frustriert und unausgeglichen ohne zu wissen, was ich genau tun muss, um das zu ändern. Dazu kommt, oder vielleicht ist das auch einer der Gründe, dass bei uns ein Umzug ansteht, der aber nicht sicher ist. Nun stehen wir davor, an fünf Schlachtfeldern organisieren zu müssen (Arbeit, Schule, Wohnung, Kindergarten, Uni, in dieser Reihenfolge, schätze ich), ohne zu wissen, ob das was wird. Eine absolut ober-ätzende Schwebesituation. Und alles nur wegen meinem Bauchgefühl, das meinte, diesen Umzug machen zu müssen. Wenn ich nur wüsste, was richtig und falsch ist, und dann nicht permanent so eine Angst hätte, dass rechts doch links ist und umgekehrt.

Mein Mann arbeitet gerade Nachtschichten, was ihm wirklich nicht gut tut: er schläft permanent zu wenig, weil man mit drei kleinen Kindern tagsüber eben nicht so wirklich in Ruhe schlafen kann und man auch noch etwas vom Tag haben will. Wenn er wach ist, ist er müde und schlecht gelaunt, und seine ganze Freizeit, die (wie meine auch), in der Nacht stattfand, wenn die Kinder schlafen, ist nun von Arbeit belegt. Sex hat daher ein kurzer, effizienter Vorgang zu sein, um was auch immer zu tun, erfolgreich muss es jedenfalls sein. Und erfolgreich bedeutet für ihn nicht: herumliegen, sich in die Augen schauen, sich ineinander spüren, sich nahe kommen (was ist das?). Sondern: vorbereitendes Greifen, rein-raus³, kommen, duschen, zum Alltagsgeschehen übergehen. Ich fühle mich dabei immer mehr wie eine Art Werkzeug, eine Unterlage. Und weiß doch nicht, was ich dagegen tun kann. Heute fragte ich ihn, ob wir ein bisschen nackt beieinander liegen und uns in die Augen sehen könnten. Sein Blick schien so kühl, so fern, nichts von Symphatie oder gar Liebe, dass ich schliesslich doch wegsah, und damit meinen Blick als übliches „Ablaufhindernis“ aus dem Weg räumte. Aber ich kann doch nicht einfach fragen „liebst Du mich noch?“ So eine blöde, unter Druck setzende Frage! Und dennoch… Da kam mir auch der Gedanke, dass vielleicht dies der Unterschied zu dem guten Sex der Anfangszeit war – die Verliebtheit, wie er mich ansah… dass ich mich von ihm geliebt fühlte. Vielleicht macht mein Körper deswegen dicht? Irgendwo habe ich ein Sprichwort gelesen:

Wer meine Seele nicht liebt, ist meines Körpers nicht wert

So oder so ähnlich ging das. Nun, Liebe kann ich nicht einfordern. Sex könnte ich unter diesen Umständen verweigern, aber wäre das nicht der Anfang vom Ende?

Ein anderer Aspekt ist, dass mein Mann einmal in einem Nebensatz irgendwo erwähnte, „wie denn, wenn du dich selber nicht liebst“… Ja, Selbsthass ist meine große Stärke gewesen, und ist es noch. Vielleicht ist das der Wegweiser, aber ich habe noch keinen Schimmer, wie ich auf diesen Weg komme.

Wegweiser deshalb, weil mein Mann vor zwei, drei Jahren einmal komplett die Lust an mir verloren hat. Er schlief ab und an mit mir, allerdings immer seltener, besonders nach der Geburt des letzten Babies, und berührte mich so gut wie nie. Ich dagegen war total hungrig nach Berührung und Sex, und völlig am Verzweifeln. Wenn ich ihn fragte, was los ist, wich mir mein Mann immer aus, das machte mich wahnsinnig! Ich spürte genau, dass etwas nicht stimmt, er dagegen behauptete steif und fest, dass alles ganz normal sei, dass er nunmal kein notgeiler Bock sei, und dass ich mir alles nur einbilde. Eines schönen Tages, letztes Jahr im März oder April, quälte ich ihn so lange mit meinen Nachfragen und meinem Gejammer, dass er begann, mit dem Problem herauszurücken. Das Ganze ist eine lange Geschichte voller Schmerz, aber auch Aha’s, die irgendwann einen eigenen Post bekommt. Jedenfalls lag der Hund darin begraben, dass er mich nicht mehr attraktiv fand und sich wünschte, ich würde mich mehr pflegen. Nach langem Schock, nach Wut und Trauer und mehreren Wochen auf einer Matratze im Kinderzimmer, begann ich mich zurückzuziehen und die (Natur)Kosmetik, das regelmäßige Schwimmen und Youtube-Fitnessvideos für mich zu entdecken, was ziemlich schnell Wirkung zeigte. Und siehe da, mein Mann hatte wieder Lust auf mich, und das auch wieder sehr oft. Eine Zeit lang war alles gut, bis dann ich meine Lust verlor. Als ob wir Treppen stiegen, und wenn er gerade eine Stufe erklommen hat, ich bereits wieder den nächsten Schritt beginne und wir uns selten gemeinsam bewegten… Warum ich das erzähle – weil ich zeitlebens meinen Körper gehasst, verachtet, ihn kritisiert, argwöhnisch betrachtet, ihn zerschnitten, aufgekratzt habe und das Waschen die einzige Zuwendung war, die er überhaupt bekommen hat, dies aber negativ im Sinne von „den Dreck abbürsten“. Erst, als ich meinen Körper langsam lieben lernte, konnte mein Mann das auch wieder.

Jetzt bin, so scheint es, Ich an der Reihe. Nur hier hilft kein Schwimmen, kein Ölen, ein Baden… Ich habe so eine Ahnung, dass es nun um mich geht, um meine Zufriedenheit und mein „Atmen“, dass ich dafür sorge, dass ich auch das tun kann, was ich kann und liebe, und mich nicht permanent aufopfere, um stets vergeblich, stets unvollkommen, nie genug, meine tausend Pflichten zu erledigen. Liebt man einen unzufriedenen Menschen? Anfangs vielleicht, doch auf Dauer? Hier jedoch stehe ich vor der großen Mauer aus schlechtem Gewissen. Habe ich das Recht, Zeit für mich allein zu organisieren, noch nicht einmal Zeit für’s Lernen und Studieren, sondern nur, um diese unsichtbaren, nutzlosen Dinge zu tun, die mir liegen und die ich so gerne tue – Klavier Spielen, Schreiben, Lesen, Tanzen…? Ich fühle mich so unfassbar egoistisch dabei, dass ich eher einen Nervenzusammenbruch erleide oder meinen Frust an meinem Mann auslasse, als ihn im Vorfeld zu bitten, einmal mit den Kindern ohne mich nach draußen zu gehen. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Und ich habe Angst vor dem Risiko, dass mein Mann mich wegen meines potenziellen Egoismus verlassen könnte, und – wenn ich nichts unternehme – wegen meiner permanenten Unzufriedenheit die Liebe komplett verliert und mich ebenfalls verlässt. Und wenn er mich verlassen würde, würde ich alleine als Nonne enden und auf der Strasse auf einem Karton sterben… Jaja, so malt sich das mein Unterbewusstsein aus.

Wenn ich so überfliege, was ich geschrieben habe, komme ich mir vor wie dieser Esel, der an einem aufgebundenen Stab eine Möhre baumeln hat, die ihn immer weiter laufen lässt (ohne, dass er sie jemals mit dem Maul erwischen könnte), und in meinem Fall ist diese Möhre Sex. Ja, Sex ist mir so wichtig! Aber auch dazu ein anderes Mal, und nun Gute Nacht!

P.S. Aber… vielleicht hat das lange in die Augen sehen dazu beigetragen, dass ich heute keine Schmerzen hatte.

Du, mein Blut, was hast Du mir zu sagen?

Über einen Gastartikel der Menstruationsbegleiterin Kathrin Sieder auf dem wirklich empfehlenswerten Elternblog Krachbumm bin ich auf so eine kleine Goldader über das Thema Menstruation gestossen, das mich, wie ich schon geschrieben habe, schon etwas länger beschäftigt. Im Zuge dessen habe ich die Seite einer ebenfalls auf diesem Gebiet engagierten Frau namens Gabriele Pröll entdeckt und mir zwei ihrer Bücher gekauft, eines mit dem Titel „Die „glückliche“ Gebärmutter. Innere Bilder – selbstheilende Kraft bei Unterbauchbeschwerden“, das andere „Das Geheimnis der Menstruation. Kraft und Weisheit des Mondzklus“. Vor allem das zweite Buch hat es mir angetan. Auf solche Informationen und Anstösse habe ich gewartet :-). Darin geht es – vielleicht für manch einen zu esoterisch – um die Bedeutung der Periode von der vorchristlichen Zeit bis heute, mögliche Rituale und Ansätze zur Verbesserung oder Ergründung der Regelbeschwerden. Der Grundtenor lautet eigentlich: beobachten, spüren, lauschen… Davon noch einmal so richtig inspiriert, habe ich während dieser Periode versucht, etwas genauer aufzupassen, was sich so alles tut, und will das hier einmal aufschreiben. Ich bin schon gespannt, ob es nächstes Mal anders ist, ob etwas Neues kommt, ob sich etwas verändert hat. Dieses Mal ist mir vor allem Folgendes aufgefallen:

1) Mehrere Heultage kurz vor bis zum  Beginn der Periode, hier mehr dazu. Am zweiten Tag der Blutung hatte ich auch noch irgendwie mit dem Thema Eifersucht zu tun, was ich aber ganz gut in den Griff kriegen konnte. Ich freue mich richtig, dass es mir ausnahmsweise einmal gelungen ist, bevor mein Mann das mitbekommen hat, innerlich Stop zu sagen und mir ein bisschen Zeit für mich allein zu verschaffen, um dann festzustellen, dass das wie immer das gute alte Selbstwertgefühl, das nicht oder gering vorhandene, ausgelöst hat. Ich weiß zwar noch nicht, wie das besser werden soll, aber einfach Weinen hat geholfen und ich konnte danach wieder gelassener sein.

2) Heißhunger, wenige Tage vor der Periode und bis ca. zum dritten, vierten Tag. Hunger wird wohl das falsche Wort sein, satt war ich sehr wohl, aber nicht zufrieden, ergo  habe ich gegessen und gegessen und gegessen, voller falsch verstandenem Appettit. Heute, am vierten Tag, ist es deutlich besser geworden. Entweder war das das ebenfalls hochgespülte Minderwertigkeitsgefühl, oder die Tatsache, dass ich in der Woche so gut wie keine Zeit für mich gehabt hatte. Entweder war ich abends eingeschlafen, oder es gab noch anderes zu erledigen. Das gibt es eigentlich immer, aber jetzt gerade nehme ich mir diese Zeit, vorher nicht.

3) An den Tagen vor der Periode überhaupt keine und an den ersten Tagen der Blutung große, große Lust auf Sex. Allerdings nicht nur die Lust auf Sex, sondern auch die Lust auf die Lust und die Trauer um die verlorene Lust. Eigentlich hatte ich Lust auf etwas, von dem ich sowieso wusste, dass es so momentan nicht funktioniert, und trotzdem „überredete“ ich meinen Mann zu einer Runde. Überreden heißt – Blasen, und weitermachen ;-). Das war jedenfalls ein Fehler. Erstens spürte ich wieder nichts, und zweitens spürte ich nicht nur nichts, sondern zudem seinen gut verheimlichten Ekel vor dem Blut, und das führte dazu, dass ich mich komplett abgelehnt fühlte. Jaja, selbst schuld, erst etwas fordern, was das Gegenüber nicht gerne tut, und sich dann über die mangelnde Leidenschaft bei der Ausführung beklagen. Wie diese Männer auf den Freier- und Rotlichtforen, die sich über lustlose Prostituierte beschweren. Ja, ich sehe es schon, ich bin in dieser Beziehung nicht die Einzige, die nicht Nein sagen kann ;).

4) Gabriele Pröll schreibt, dass zwischen dem weiblichen Zyklus und dem Mondzyklus ein Zusammenhang bestünde. Die Dauer sei in etwa gleich, und in weniger ‚elektrifizierten‘ Kulturen menstruierten die Frauen meist bei Neumond. Aus Neugierde habe ich den Mondkalender nachgeschlagen und belustigt festgestellt, dass ich die letzten beiden Male ebenfalls um Neumond herum geblutet habe und meine Freundinnen anscheinend ebenso.

5) Ein merkwürdiger Traum. Am dritten Tag, als die Blutung stark war, hatte ich einen intensiven Traum von einer Freundin meiner Schwester, die ich kaum kenne. Ich habe sie zwei, drei Mal gesehen, das letzte Mal vielleicht vor einem Jahr, und, obwohl wir uns gut verstanden haben, keinen Kontakt zu ihr gehabt. In dem Traum geschah noch mehr, aber vor allem blieb mir in Erinnerung, dass ich diese Freundin neben mir sah, völlig verzweifelt, mit aufgedunsenem Gesicht und unter Drogen stehend (ok, so habe ich das geträumt, keine Ahnung, wie das mit Drogen wirklich ist). Als erster Reflex nach dem Aufwachen griff ich zu meinem Hand und schrieb ihr über Facebook eine Nachricht, wie es ihr gehe. Sie antwortete mir nur kurz später, dass es bei ihr gerade ziemlich düster aussehe, und sie sich in wenigen Tagen wegen andauernder Verzweiflung am Leben und Selbstmordgedanken in eine psychatrische Tagesklinik begeben wird. Ich hoffe, ich habe richtig reagiert…

6) Ganz allgemein, wie beim letzten Mal: am ersten Tag schwache Blutung, die folgenden zwei bis drei Tage sehr stark, und dann wieder deutlich schwächer, nach fünf bis sieben Tagen auslaufend.

7) Etwas in mir hat sich gerade an den stark blutenden Tagen, obwohl mir manche Probleme so bewusst geworden sind, sehr stark und sicher gefühlt. Dieses Gefühl ist mir neu. Abwarten…

8) Ich bevorzuge Binden statt Tampons, zumindest in der Nacht. Einmal habe ich wieder ein Tampon probiert, und ich bekam das Gefühl, das ganze Blut läuft mir zurück in den Bauch, es gluckerte richtig. Gruselig! Richtig ungut hat sich das angefühlt, dieses Zugestöpselt-Sein. Da halte ich es lieber mit den Chinesen, die über Körperflüssigkeiten so etwas in der Art: „Was raus will, muss raus“ sagen. Außerdem habe ich mir superteure Binden aus dem Biosupermarkt gekauft, weil ich dieses chemische, feucht-stickige Windelgefühl so weit es geht vermeiden wollte. Jetzt tut mir mein kleiner Sohn richtig leid, der dieses Feuchtstickige seiner Windeln jeden Tag rund um die Uhr ertragen muss. Ich wollte eigentlich einmal diese Menstruationscups ausprobieren, aber jetzt bin ich mir unsicher, wie es da aussieht mit dem ‚Zugestöpselt-Sein’…

9) Der Anblick des Blutes hat mir richtig gut gefallen. Vor allem, wenn ich auf der Toilette sass, und das das Blut in schweren Tropfen in die Wasserschüssel tropfte, das Dunkelrot darin ausfranste und sich im Wasser verflüchtigte… Zum Sichtbarmachen des Blutes fällt mir die Aktion der Australierin Casey Jenkins „Casting Off My Womb“ ein, die über die Dauer eines Monats einen Schal aus Wolle, die sie in ihrer Vagina hielt, strickte. Für meinen Geschmack hätte das Ergebnis gereicht, das allerdings gefällt mir wirklich gut, wie an den Farbabstufungen des Schals die Periode sichtbar wird.

Soweit, so gut…

‚Schlechter Sex‘ – Den Mund nicht aufzumachen, kostet extra.

Wie bloss, wie habe ich diesen Sex der ersten Jahre so unbeschadet geniessen können? Das frage ich mich langsam ernsthaft. Diese Zeit wird mir immer mehr zum Rätsel. Zwei-, drei-, manchmal bis zu achtmal täglich vögelten mein Freund und ich an allen erdenklichen Orten, und es war immer wunderschön, manchmal sogar zum Heulen schön. Vor allem aber war es immer wild, schnell und stundenlang. Heute dagegen tut mir jedesmal hinterher alles weh, alles fühlt sich wund und aufgescheuert an, so dass ich mich oft danach fast nicht mehr zur Toilette traue. Ich kann genau spüren, wie mein Mann über Reibung ‚arbeitet‘ (ja, das ist traurig, dieses Wort), und zwar über maximale Reibung. Und das, vielleicht von den Augen mal abgesehen, in meinem zartesten, empfindlichsten Körperteil überhaupt. Kein Wunder, dass das weh tut! Und dennoch: die ganze Zeit über fragt er mich: „Ist das gut?“, „Tut das weh?“, „Soll ich langsamer machen?“. Und jedesmal sage ich nichts oder schüttle den Kopf. Mache weiter, ermutige ihn zu schneller, härter, obwohl ich nichts spüre als Schmerz und Anstrengung, nur damit es bald vorbei ist. Bescheuert, nicht? Ich treibe mich selbst zu einem dieser absolut oberflächlichen, leeren Orgasmen, die nach einem Sekundenbruchteil wieder verhallt sind, nur um, ja wozu? Ich habe in letzter Zeit sehr deutlich das Gefühl, die Zeit der halben Sachen, des ‚ein bisschen probieren’s ist definitiv vorbei. Ich muss mich entscheiden zwischen

a) das alte Spiel weiterspielen, und zwar von vorne bis hinten, zuzüglich der Schauspielerei, die das erfordert, denn die alte Lust ist gegangen, man weiß nicht, wohin, man weint viel deswegen. Schauspielerei liegt mir gar nicht, und Sportlichkeit ist ebenso erforderlich. Weiter, schneller, müder, schmerzhafter, immerhin das Stöhnen kommt so von ganz allein. Meine Vulvina wird trotzdem relativ schnell feucht, sie hat ihr Eigenleben, das ich nicht durchschaue. Vielleicht, um sich noch ein bisschen zu schützen, solange ich das nicht kann. Ganz das alte Spiel ist es natürlich sicherlich aufgrund der drei Geburten auch nicht mehr, nicht umsonst sucht mein Mann immer stärker nach für mich schmerzhaften, reibungserzeugenden Stellen. Ich fürchte mich davor, das auszuschreiben, aber vermutlich bin ich auch weiter geworden. Uahhhhh T______T! Da flüstert es schon wieder „Du bist zwar noch keine Dreissig, aber dank Hängebusen, Schrumpelbauchnabel und ausgeleierter F.. schon dermaßen zum in die Tonne treten!“. Eines Tages erwische ich diese Stimme, und dann… Ja, um das alte Spiel weiterzuspielen, braucht es also lauter Dinge, die mir und meiner Beziehung nicht gut tun. Dennoch: ich kann den großen Zusammenbruch hinauszögern. Manche Frauen können das sehr lange, aber meine Beziehung ist etwas empfindlich. Dennoch, ich muss nichts zugeben, muss mit meinem Eingeständnis meinen Mann nicht verletzen, er würde noch nicht wütend werden, ich habe noch Ruhe, noch halbwegs Harmonie…

b) der große Zusammenbruch. Der große Zusammenbruch ist das Eingeständnis, dass da Nichts ist, dass ich nichts spüre, dass ich auch nichts spüre, wenn wir mal von Zeit zu Zeit in ungefährlichen Dosen langsamer machen. Dass ich nicht nur nicht weiß, was mir nicht gut tut oder nichts gibt, sondern nicht einmal die typische Frage meines Mannes beantworten könnte: „Wenn nicht das, was dann?“ „Sag mir, was du willst, und ich mache alles, was du willst.“ Wenn ich bloß wüsste, was ich bräuchte, was ich will? Ich will eigentlich nur eines – dass es wieder so schön wird wie am Anfang, dass ich wieder Lust empfinde bei jedem Millimeter, dass ich mich meinem Mann wieder nahe fühlen kann, dass er mich wieder an Orte versetzen kann, zu denen ich alleine nicht kommen könnte… Und weil ich keinen blassen Schimmer habe, wie ich dahin kommen soll, weil ich darüber todtraurig bin, und mein Mann meine Ratlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Trauer nicht erträgt und darüber verletzt (Ich will & kann dich doch glücklichmachen, ich kann doch sonst alles, soll ich jetzt etwa wegen dir ein Versager sein? So oder so ähnlich wird er fühlen.) und unendlich wütend wird. Außerdem stellt er dann gerne die totale Sinnfrage, ob es sich überhaupt noch lohnt, zusammen zu sein, was mich dann wiederum unendlich traurig macht. Alles scheißtraurig, das.

Ich spüre genau – a) tut nicht gut und ist eine Lüge, b) wird scheußlich unangenehm und gefährlich wie trübes Fahrwasser, vielleicht laufen wir auf. Ich weiß nicht, wie lange noch meine Angst, alles zu verlieren, größer bleibt als der Schmerz und die fehlende Nähe. Ich habe einfach nur Angst. Und so sage ich weiterhin nichts, und kaufe mir eine Salbe.

Da sind sie wieder, die (Heul)Tage. Menstruation, Postpartales Stimmungstief und Prämenstruelles Syndrom

Eigentlich verstehe ich unter ‚Heultagen‘ ja die Tage ab dem dritten Tag nach der Entbindung. Manche Frauen merken davon nichts, beziehungsweise geht es ihnen diesbezüglich gut, bei mir jedoch machte sich der, angeblich hier verantwortliche, abfallende Schwangerschaftshormonpegel nach jeder Geburt heftiger bemerkbar. Bei der ersten Geburt war ich nur wahnsinnig empfindlich in Bezug auf Besuch und brach in Tränen aus, als meine kritisier- und urteilsfreudige Grossmutter sich ankündigte. Ich hatte das Gefühl, etwas sehr Zartes, Reines, Empfindliches durch die öftermals negativen Situationen mit meiner Grossmutter in Gefahr zu bringen. Nachdem mir mein Mann beim Finden einer Ausrede geholfen hatte (darin ist er nämlich gut!), gelang es mir schliesslich doch, den Besuch um eine Woche zu verschieben, und ich durfte erfahren, dass meine Großmutter im Beisein ihrer Urenkel ihre gewohnte Härte fast völlig vergessen kann.

Nach der zweiten Geburt hat mein Wasauchimmer etwas Neues ausgegraben: ich wurde unglaublich traurig über die verlorene totale Nähe der Schwangerschaft. Ich fühlte mich selbst einsam und verlassen, während das Baby dort so zufrieden, mich scheinbar gar nicht brauchend, tagelang vor sich hin schlief. Dieser Zustand dauerte ungefähr vier Tage an, bis diese Wehmütigkeit wieder ganz verschwunden war. Meinen Mann machte er grantig. „Es ist doch alles gut, dem Baby geht es gut, Du bist gesund, was willst Du denn?“ Wie dankbar war ich der Hebamme, dass sie ihm immer wieder dezent zu verstehen gab, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gebe und diese Traurigkeit durch die hormonellen Veränderungen nach der Geburt ausgelöst wird/werden kann.

Beim dritten Kind war ich vorbereitet und erzählte meiner Hebamme (schönerweise derselben wie bei Geburt 1 und 2, aber das ist ein anderes Thema) schon bei den Untersuchungen von meiner Angst, dass die Heultage noch einmal an Stärke zunehmen könnten. Sie empfahl mir, mir von der Apotheke ein spagyrisches Mittel herstellen zu lassen, das ich ausprobieren könnte, wenn es soweit ist, vielleicht auch schon vorbeugend, was ich aber, wie immer, vergaß. Die Heulerei kam wieder, und, wie ich es befürchtet hatte, noch heftiger als zuvor. Diesmal war es nicht nur die Traurigkeit wegen des Getrenntseins vom Baby, also ganz körperlich, denn bei der Hausgeburt war ich nie wirklich von meinem Baby getrennt gewesen. Dazu kam diesmal das Verlassenheitsgefühl, ein Mutterseelenalleinsein, eine wirklich existentielle Verlorenheit. Ich wünschte mir, selbst noch einmal in den Bauch meiner Mutter zurückzukriechen. Trotzdem habe ich mich mehrere Tage lang geweigert, das Mittel aus der Apotheke zu probieren. Irgendwie wollte ich diese Wahrheit nicht ‚wegmachen‘ lassen, und es hat mich wirklich zutiefst gekränkt, als mein Mann mir ans Herz legte, es doch nun endlich zu nehmen, weil ich das Gefühl hatte, mit meinen wahren Gefühlen nicht akzeptiert zu sein und unter dem Druck zu stehen, schnell wieder funktionieren zu sollen. Obwohl ich mich ernstnehmen und mich nicht mit den Hormonen als Grund, die Dinge eben nicht ernstzunehmen, abspeisen lassen wollte, war ich doch nach einigen Tagen so am Ende, so hoffnungslos und so grau meine Welt, dass ich das Medikament ausprobierte. Am nächsten Tag war ich noch traurig, musste aber nicht mehr weinen. Nach zwei Tagen war von der Minidepression nichts mehr übrig. Auch wenn ich mich ein wenig fühlte, als hätte ich mich selbst betrogen, war ich hauptsächlich einfach froh, wieder da zu sein.

Nun war die letzte Geburt schon fünfzehn Monate her und ich hatte meine Regel immer noch nicht wieder bekommen. Eines Tages besuchte ich den Hof meiner Eltern, wo ich in solche innere Bedrängnis geriet, dass ich abends und den folgenden Vormittag weinend im Bett verbrachte. Es ging um Schuldgefühle, Wertlosigkeitsgefühle, das Gefühl, nichts zu können, nicht lebensfit zu sein, zu anspruchsvoll, gierig, zu dick, das volle Programm, in voller Lautstärke. Und am Mittag – entdeckte ich auf der Toilette Blut in der Unterwäsche. So froh war ich im Leben noch nicht gewesen, endlich meine Tage bekommen zu haben. Auf der einen Seite habe ich mich in den mehr als zwei Jahren ohne Periode langsam aber sicher immer mehr wie ein neutrales Wesen, sozusagen ein Muttertier, zu fühlen begonnen und die lustige Idee entwickelt, ich würde mich erst dann wieder als echte Frau fühlen, wenn ich meine Tage wieder hätte ;-). Auf der anderen Seite war das Eintreffen der Periode aber auch beruhigend, weil ich das heftige Tief an den Tagen zuvor damit in Verbindung bringen konnte. Das vielgefürchtete PMS, aha! Naja.

Als ich meine erste Regel bekommen hatte – ich weiß nicht mehr, wann genau das war, vielleicht mit dreizehn oder vierzehn Jahren – erinnere ich mich, dass meine Mutter vom Badezimmer nach unten an den mit Lehrlingen, Verwandten, Großeltern, Arbeitern und Praktikanten vollbesetzten Tisch stürmte und voller Freude lauthals verkündete, dass ich nun meine Periode hätte. Urgs. Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Genauso ging es mir, wenn sie sich mit Kunden und Freunden darüber unterhielt, dass ich, die ich immer ein klappriges, dürres Gestell war, nun richtig weibliche Formen bekommen würde, ein süsses Bäuchlein vor allem… Urgs Urgs. Obwohl meine körperliche „Weiblichkeit“  in der Familie also allem Anschein nach willkommen war, hasste ich lange Zeit alles daran, meinen Körper teilweise bis heute, und die Periode bis zu der Zeit, als ich sie kinderbedingt länger nicht hatte und das Buch „Frauenkörper, Frauenweisheit“ von Dr. Christiane Northrup las, aber dazu gleich. Schmerzen hatte ich so gut wie keine während der Periode, erst in den vergangenen Jahren ein leichtes Ziehen im hinteren Rücken. Allerdings ekelte ich mich ganz ausgesprochen vor dem warmen, nicht nach Eisen sondern nach ~ Körperinneren süßlich riechenden, hellroten Blut und den Massen davon. Ich blutete oft sieben bis neun Tage lang und sehr stark. Als die reine Strafe empfand ich das! Irgendwie fand ich das auch typisch für meinen als absolut ätzend und mangelhaft empfundenen Körper: ungelenk, unproportioniert, unsportlich hoch zehn, attestiertes schwaches Bindegewebe, hängebusig, stark schwitzend und zu allem Überfluss auch noch stark blutend. Puh… Nach der ersten Geburt wurde die Blutung dann viel weniger, die damals regelmässige Periode allerdings unregelmässig, aber dafür blutete ich nur noch die angeblich landesüblichen fünf Tage lang.

Irgendwann vor zwei oder drei Jahren fiel mir dann oben beschriebenes Buch in die Hände. Es ist wie eine Art Kompendium zu Frauengesundheit, in der die amerikanische Gynäkologin zur Menstruation schreibt, – wenn ich mich richtig erinnere, denn ich habe das Buch an ichweißnichtmehrwen verliehen – dass sie einen Zyklus wie den Mondzyklus darstelle, und wir Frauen allgemein zyklische Wesen seien, die auch seelisch verschiedene Phasen durchgingen. So seien viele Frauen in der ersten Hälfte der Periode (von der Blutung bis zum Eisprung) extrovertierter, kreativer, funktionabler und dickhäutiger, während die zweite Hälfte oft, neutral gesagt, einen Rückzug nach Innen und erhöhte Feinfühligkeit und Wahrnehmung mit sich bringe. Hier, so meinte sie, träten dann oft die schmerzhaften Symptome auf, weil hier sich alles, was im Leben den Frauen nicht gut tut, bemerkbar mache, körperlich mit Schmerzen, Kopfschmerzen etc, oder seelisch mit Depressionen. Oft würde das allerdings überhaupt nicht im Zusammenhang gesehen und lediglich die Symptome medikamentös behandelt – worauf auch jede ein Recht hat, doch würde langfristig eine Verbesserung eintreten, wenn man zusätzlich auch diese Symptome als Signale begriffe, um sein Leben zu überprüfen und mutig an den Stellen Veränderungen wage, wo man beispielsweise sich aufopfert, in einer negativen Beziehung hängt, oder seine Grenzen missachtet/missachten lässt. Dieser Ansatz hat mir eingeleuchtet, und sich wirklich, wirklich gut angefühlt.

Zum ersten Mal habe ich irgendetwas sinnvolles über die Periode gelernt, welchen positiven, wirklich lebensbereichernden Nutzen sie wirklich, abgesehen von dem rein technischen Aspekt, für uns haben könnte. Bisher wusste ich nur aus der Schule von der Funktion, die Gebärmutterschleimhaut eben für ein Baby vorzubereiten und das dann wieder herauszuspülen, und die Alternativmedizin, die mir oft noch lebensfreudefeindlicher, härter und verurteilender erschien, sah darin zusätzlich eine Reinigungsfunktion, die die längere Gesundheit und Lebenserwartung von Frauen gegenüber Männern erkläre. Nun hatte ich aber endlich etwas gefunden, das wirklich schön und gut sein darf, und nicht zwangsweise weh tun muss: so gesehen vom Eisprung ab erst eine Zeit des feinen Fühlens, der Intuition und inneren Wahrheit, und in der zweiten Hälfte eine Zeit der Kraft für die erforderlichen Umbauten oder auch nur unsere Kreativität. Ab diesem Buch habe ich mich wirklich darauf gefreut, meine Tage endlich wieder zu bekommen, um neugierig zu spüren, was mein Körper da so anstellt, denn jetzt, war ich bereit, zuzuhören.

Tatsächlich also erwischte mich beim ersten Mal das Thema Selbstwert mit voller Wucht: da sein, groß sein, hungrig, gemütlich, sehnsüchtig, träumend sein dürfen, oder eben nicht. Nichts fordern, nichts wollen, keinen Raum einnehmen, hart arbeiten, sich unterordnen… Ich hatte allerdings nach diesem Tief keine Lösung bereit als die, meinen Heimatort etwas mehr zu meiden, solange ich nicht bereit und stark genug bin, trotz diesen Anforderungen und Massstäben, die dort immer noch herrschen, für mich selbst gut zu sorgen, ohne unterzugehen in einem See aus Überforderung und Schuldgefühlen.

Nun warte ich bereits seit einigen Tagen auf die zweite Blutung seitdem – anscheinend ist meine Periode immer noch nicht im 28-Tage-Rythmus – und habe vorgestern einen ~Heultag erlebt, der, wie ich nach langem Herumheulen, Streit mit meinem Mann (der das Weinen gar nicht vertragen kann), und Herumgrübeln herausgefunden habe, irgendwie mit dem Thema des Alleinseins als Mutter zu tun hatte, stets ganz allein die volle Verantwortung für Glück oder Unglück der Kinder zu tragen, aber dazu an anderer Stelle mehr. Ich merke, dass ich stärker geworden bin in den letzten Jahren, aber wenn ich einmal, wie eben geschehen, eine Situation erlebe, in der ich entlastet bin, eine Art größere Familie erleben darf, in der ich und meine Kinder einfach sein dürfen, dann kommt die ganze Anspannung und Überforderung nach oben… Ich habe beschlossen, mehr auf diese Leute in meinem Leben zu achten, die nicht nur intellektuelle Gesprächspartner für mich sein müssen, wonach ich sonst immer gesucht hatte, sondern auch einfach herzliche Freunde und Bekannte, in deren Gesellschaft man einfach nur leben darf, wie man ist, vor allem inklusive der Kinder. Ja, mal sehen, ob noch etwas anderes kommt, bis ich wieder blute.

Badefreuden, von denen man noch länger etwas hat

Drei Tage hintereinander verbrachten wir an Seen und in Freibädern. Trotz der vielen, vielen Leute dort, dem Lärm und Geschrei, und der der sengenden Hitze fühlte sich das an wie Urlaub. Das Wasser, das parkartige Drumherum, weite, gemähte Wiesen und wunderschöne, hohe Buchen und Linden, unter denen sich Horden von glücklichen Familien aus aller Herren Länder ausgebreitet hatten. Etwas allerdings, das ich schon einmal gehört, aber nicht beachtet hatte, werde ich in Zukunft ernster nehmen: meine Vulvina nahm es mir ziemlich übel, den ganzen Tag von morgens bis abends in derselben, nassen, nur Nachts ausgewaschenen Badehose verbracht zu haben.

Trockenheit und Wundsein war die Folge. Als ich das in der Schwangerschaft einmal hatte, meinte die Hebamme, dass in der Zeit die Scheidenflora besonders leicht aus der Balance zu bringen sei. Offenbar muss ich auch generell mehr darauf achten. Sie hatte mir damals empfohlen, mit dem medizinischen Badezusatz Tannolact zu baden und mich nicht mehr mit Duschgel zwischen den Beinen zu waschen, sondern einer speziellen Intimwaschlotion. Das Baden mit Tannolact brachte keine Besserung, und die verschiedenen Intimwaschgels aus der Drogerie ebenfalls nicht. Erst ihr Rat, für den akuten Fall ein mit Naturjoghurt getränktes Tampon zu verwenden, fruchtete. Nachdem mir meine Mutter, die schon seit Jahrzehnten Naturkosmetik verwendet,  mir von dem Intim Duschgel der naturnahen Marke Retterspitz (warum sind die eigentlich nicht zertifiziert?) erzählte, benutzte ich die für den Rest der Schwangerschaft und etwas darüber hinaus, bis ich wieder geizig wurde (200ml kosten in meiner Apotheke fast 7€), und blieb während dieser Zeit von ähnlichen Beschwerden verschont.

Gestern habe ich mir dieses Duschgel wieder gekauft – was für ein schickes Verpackungsdesign! Für schönes Design bin ich wahrlich anfällig ;)… Ebenfalls gekauft habe ich mir einen Becher stichfesten (hmmmm…) Naturjoghurt, den ich allerdings aufessen musste, weil er mich so angemacht hat, Anwendung innerlich statt äußerlich wohl ;-).  Jedenfalls scheint sich mein Scheidenmilieu langsam wieder zu entspannen. Die Vagina schmerzt immer noch etwas, was ich aber auch noch einem anderen Umstand zu verdanken habe (dazu nächstes Mal mehr), aber nur noch bei Berührung und nicht mehr bei jedem Schritt.

Für die Zukunft merke ich mir:

1) Beim Baden eine trockene Badehose anziehen, sobald ich aus dem Wasser bin (obwohl das mit Kleinkindern ja auch nicht immer so planbar ist, ob man nicht gerade in der nächsten Sekunde wieder in’s Wasser hechten muss). Das ist noch so eine alte Weisheit, die in meiner „Was-einen-nicht-umbringt-macht-einen-stärker“-Familie nicht angekommen ist, bis gestern.

2) Weiterhin dem Retterspitz Duschgel treu bleiben

3) Für den akuten Fall: Tampon mit Naturjoghurt

Über-übermorgen sollen es wieder jenseits der Dreissig Grad werden, so also auf ein Neues!